Typisieren lassen und Leben retten: Was ist eine Stammzellspende?

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Stammzellspenden können Leben retten, denn für Menschen, die an Blutkrebs leiden, sind sie oft die einzige Chance auf Heilung. Doch was passiert überhaupt bei einer Stammzellspende? Hier erfährst du, welche Voraussetzungen es gibt, ob eine Stammzellspende gefährlich ist und wie man sich typisieren lassen kann.

Stammzellspender werden

Helfen kann so einfach sein. Diese drei Studentinnen haben sich typisieren lassen.
© Patrick Fouad / DKMS

Was ist eine Stammzellspende?

Alle 15 Minuten erfährt ein Mensch in Deutschland, dass er Blutkrebs hat. Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarkes oder des blutbildenden Systems. Zu diesen Krankheiten zählt zum Beispiel Leukämie. Die normale Blutbildung wird durch die Krebszellen gestört. In der Folge kann das Blut lebensnotwendige Aufgaben, wie das Bekämpfen von Infektionen und das Transportieren von Sauerstoff nicht mehr erfüllen. Die einzige Aussicht auf Heilung ist dann meist eine Stammzellspende, durch die wieder neue, gesunde Blutzellen gebildet werden. Doch jeder zehnte Patient findet keinen Spender.

Ob ein Spender in Frage kommt hängt davon ab, ob seine Gewebemerkmale (HLA) zu denen des Patienten passen. Da Gewebemerkmale vererbt werden, wird meist zunächst innerhalb der Familie nach einem Spender gesucht. Doch nur ein Drittel der Erkrankten findet einen Spender innerhalb der Familie, weshalb in den meisten Fällen nach einem fremden Spender gesucht werden muss.

Die Wahrscheinlichkeit einen fremden Spender zu finden ist sehr gering, weshalb es wichtig ist, dass sich viele Menschen als mögliche Spender in einer Spenderdatei registrieren lassen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einen geeigneten Spender zu finden.

Welche Stammzellspenderdateien gibt es?

Es gibt verschiedene Stammzellspenderdateien in Deutschland, zum Beispiel die DKMS oder die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSSD). Eine Übersicht über alle Spenderdateien bietet das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland. Die Spenderdateien in Deutschland sind untereinander und mit allen anderen Spenderdateien in Europa sowie weltweit vernetzt. Es ist also nicht nötig, sich bei mehreren Organisationen registrieren zu lassen.

Stammzellspende: Wie lasse ich mich typisieren?

So sieht das Typisierungsset der DKMS aus. Mit dem Wattestäbchen kann man ganz einfach eine Speichelprobe bei sich entnehmen und sich damit typisieren lassen.
© Valéry Klaubert / DKMS

Wie kann man sich typisieren lassen?

Sich als Stammzellspender registrieren zu lassen ist ganz einfach: Auf der Homepage der DKMS kann ein Registrierungsset anfordern und dann nach der Anleitung darin eine Speichelprobe mit einem Wattestäbchen bei sich selbst entnehmen und es mit den unterschriebenen Unterlagen an die DKMS zurücksenden.

Was passiert bei einer Stammzellspende

Eine Mitarbeiterin des Probeneinganges kontrolliert und registriert die eingegangenen Wattestäbchen.
© DKMS

Das Labor der DKMS bestimmt die Gewebemerkmale und nimmt den potenziellen Spender in die weltweite Spenderdatei auf. Außerdem erhält man noch eine Spendercard, auf der die Spendernummer vermerkt ist, die zum Beispiel benötigt wird, wenn man seine Adresse oder Kontaktdaten ändern muss. Das ist besonders wichtig, um erreichbar zu sein, falls man als möglicher Spender identifiziert wird. Alternativ kann man sich aber auch bei einer Typisierungsaktion in seiner Nähe, in einer der Partnerkliniken der DKMS oder bei einer Blutspendeaktion registrieren lassen. Spenden kann jede gesunde Person im Alter von 18 bis 55 Jahren, die mindestens 50 Kilogramm wiegt. Die Registrierung ist bereits mit 17 Jahren möglich. Wenn du dir unsicher bist, ob du spenden darfst, kannst du dich auf der Homepage der DKMS über die Ausschlusskriterien informieren.

Wir funktioniert die Stammzellspende?

Wenn die Gewerbemerkmale eines Patienten zu einem Spender aus der Datei passen, wird der potenzielle Spender zunächst kontaktiert und ein Gesundheitscheck beim Arzt vereinbart, bei dem auch noch mal genau über das Verfahren bei der Stammzellspende aufklärt wird. Erst danach kann es überhaupt zu einer Stammzellspende kommen.

In 80 Prozent der Fälle ist für die Spende der Stammzellen keine Operation nötig. Stattdessen wird bei der sogenannten peripheren Stammzellentnahme das Blut aus den Venen entnommen, die Stammzellen herausgefiltert und das Blut dann wieder zurück zum Spender geführt. Für die Entnahme aus dem peripheren Blut muss zunächst sichergestellt werden, dass genügend Stammzellen vorhanden sind. Deshalb bekommt der Spender vor der Entnahme Wachstumshormone verabreicht. Sie sorgen dafür, dass Stammzellen vom Knochenmark in das periphere Blut gelangen. Dabei können grippeartige Symptome auftreten, Langzeitnebenwirkungen sind aber nicht bekannt. Auch die Entnahme der Stammzellen ist unproblematisch, da sie sich selbst wieder nachbilden können. Die Entnahme dauert meist 4-5 Stunden. Dabei sitzt oder liegt der Spender, ähnlich wie bei der Blutspende, ruhig auf einer Liege.

Lukas Schmetz war der 50.000ste DKMS-Spender. Ihm wurden bei der peripheren Stammzellspende die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen. © DKMS

Lukas Schmetz war der 50.000ste DKMS-Spender. Ihm wurden bei der peripheren Stammzellspende die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen.
© DKMS

Bei den anderen 20 Prozent der Spenden werden dem Spender die Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen. Knochenmark ist blutbildendes Gewebe. Es wird fälschlicherweise häufig mit Rückenmark verwechselt, welches Teil des Nervensystems ist. Das Knochenmark wird mit einer Nadel bei einer Operation entnommen. Dafür bekommt der Spender eine Vollnarkose. Die Operation dauert etwa eine Stunde. Die Menge des entnommenen Knochenmarks kann der Körper anschließend innerhalb weniger Wochen nachbilden. Nach der Operation kann es für einige Tage zu einem Wundschmerz kommen, der sich ähnlich anfühlt wie eine Prellung.

Risiken vs. Nutzen

Eine Vollnarkose ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. In Bezug auf die Stammzellspende sind jedoch keine langfristigen Nebenwirkungen bekannt. Außerdem bringt sich der Spender durch die fehlenden Stammzellen nicht in Gefahr, da sie sich von alleine nachbilden können.

Bisher sind sieben Millionen Stammzellspender registriert. Das ist toll, aber leider noch nicht genug. Denn immer noch findet jeder zehnte Patient keinen Spender. Durch die Typisierung und die Bereitschaft zur Spende trägt man dazu bei, dass mehr Spender gefunden und mehr Leben gerettet werden.