Das Experteninterview: Wozu überhaupt Datenschutz im Netz?

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Warum sollten wir nicht alles über uns im Netz verbreiten? Wir haben mit Nils Schröder gesprochen. Er ist Pressesprecher vom Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW.

Es heißt immer, Konzerne wie Facebook sammeln Nutzerdaten, aber was ist daran überhaupt so schlimm?

Das ist schwer zu sagen. Und genau das ist das Problem: Wir wissen ja oft gar nicht, was die Konzerne mit diesen Daten machen. Wer viele Informationen von sich preisgibt, geht also ein gewisses Risiko ein. Außerdem muss grundsätzlich jeder Mensch selbst bestimmen können, wer was wozu über ihn weiß. Das geht nur, wenn man informiert und freiwillig entscheiden kann.

Geht es am Ende nicht nur darum, personalisierte Werbung zu verschicken?

Viele Unternehmen geben in ihren Geschäftsbedingungen gar nicht genau an, was sie mit den Daten ihrer Nutzer machen wollen. Das ist schon auffällig. Denn man darf nie vergessen: Die wollen ja in erster Linie Geld verdienen. Dagegen ist grundsätzlich gar nichts zu sagen. Aber es darf nicht auf Kosten der Nutzer gemacht werden. Ein einfaches Beispiel, wie Daten und Geld zusammenhängen: Inzwischen ist es ja bekannt, dass manche Angebote im Internet höher ausfallen, wenn der Nutzer sich über ein Apple-Gerät anmeldet, weil Mac-Besitzer tendenziell über mehr Geld verfügen. Daran sieht man, dass es nicht immer gut ist, wenn Konzerne zu viel über einen wissen.

Sie sagen, die Unternehmen wollen Geld verdienen. Also ist eine kostenlose App im Grunde verdächtig?

Zumindest wenn nicht erkennbar ist, welchen Nutzen ein Unternehmen von seiner kostenlosen App hat, wäre ich vorsichtig. Denn die finanzieren die Programmierung ja nicht aus Freundlichkeit. Hinzu kommt das Risiko, dass die Informationen illegal weitergegeben werden. Sobald ich meine Daten einsammeln lasse, kann ich nicht mehr vollständig sicher sein. Es kommt also darauf an, sich zu informieren und bewusst zu entscheiden.

Das klingt alles so abstrakt. Was kann denn nun wirklich passieren?

Neben dem Beispiel, dass man beim Kaufpreis abgezockt werden könnte, wäre es theoretisch zum Beispiel möglich, dass ein potenzieller Arbeitgeber Daten von Bewerbern sammelt, die unangenehm sein können. Im Netz einzukaufen oder zu posten anstelle einer anderen Person geht auch umso einfacher, je mehr Informationen vorhanden sind. Ganz allgemein bringt jede Datensammlung die Gefahr mit sich, dass Informationen gegen einen selbst verwendet werden – legal oder illegal. Und wer sagt denn, dass gespeicherte Daten immer richtig sein müssen? Was ist mit Verwechslungen, Zahlendrehern, Falschinterpretationen oder der Möglichkeit, falsche Daten unterzujubeln? Schlimmstenfalls wird man unberechtigterweise einer Straftat verdächtigt.

Sind die Informationen im Netz denn wirklich so interessant?

Natürlich. Inzwischen wäre es möglich, richtige Charakterprofile einzelner Nutzer zu erstellen. Beispielsweise über Pokémon Go geben die Spieler an, wann sie wohin gehen. Allein aus solch einem Bewegungsprofil kann man schon ganz viel über Lebensgewohnheiten erfahren.

Muss ich offline leben, wenn mir Datenschutz wichtig ist?

Das möchte ja keiner, und das ist auch unrealistisch. Es wäre aber ein wichtiger Schritt, sich dieser Dinge bewusst zu werden und es zu vermeiden, unnötig Daten abzugeben. Ein Beispiel sind Wearables. Es reicht doch, die Daten auf dem eigenen Computer auszuwerten, ich muss sie nicht zusätzlich in einer Cloud speichern. Außerdem sollte ich natürlich gut überlegen, was ich über mich und mein Leben aber auch über andere in den sozialen Netzwerken poste.