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Es ist unangenehm und kann die Zähne dauerhaft schädigen: Knirschen. Was du gegen Zähneknirschen aka Bruxismus tun kannst.

Krrrrrk, krrrrrrk – kennst du dieses Geräusch? Es entsteht, wenn Zähne fest aufeinander reiben. Viele Menschen knirschen im Schlaf mit den Zähnen oder pressen diese zusammen; und manche sogar tagsüber, wenn sie wach sind. Das klingt fies und hat einen passend fiesen Fach-Namen: Bruxismus. Falls du auch betroffen bist, keine Sorge: Du bist nicht allein, denn schätzungsweise jeder fünfte Mensch hierzulande knirscht, Frauen und Männer etwa gleich häufig. Und alle Altersstufen sind dabei; schon Kinder knirschen mit den Milchzähnchen. Es ist nicht nur unangenehm, sondern kann auf Dauer die Zähne schädigen. Ursachen gibt es viele – aber auch Abhilfe.

Warum knirschen wir mit den Zähnen?

Genetische Faktoren können ein Grund sein, denn es tritt in Familien oft gehäuft auf. Auch wer schlecht schläft, viel Alkohol und Kaffee trinkt, raucht oder Drogen nimmt, gehört eher zu den Knirschern. Und auch wenn du bestimmte Medikamente nehmen musst, zum Beispiel gegen Depressionen oder ADHS, kann es als nervige Nebenwirkung auftreten. Sehr häufig geht es außerdem mit Stress einher. Das kann emotionaler Stress sein, Ängste, Leistungsdruck, aber auch sozialer Stress in der Familie, mit Freunden, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Die Anspannung macht sich dann im Kiefer bemerkbar. Denn wer gestresst ist, spannt oft unbewusst Muskeln im Gesicht, in Nacken, Schulter und Rücken an. In Stressphasen gilt sprichwörtlich „ich beiße die Zähne zusammen“ oder „ich gehe auf dem Zahnfleisch“.

Zähneknirschen? Wann du aktiv werden solltest!

Beobachtest du ein Knirschen an dir selbst oder wirst du von Eltern oder Mitbewohnern darauf aufmerksam gemacht, solltest du aktiv werden, denn knirschende Kauleisten sind nicht nur ein akustisches Problem, sie verursachen auch gesundheitliche Schäden. Bei Knirschern leiden mehrere Stellen im Kiefer: natürlich vor allem die Zähne selbst; sie werden Stück für Stück abgerieben. Auch Zahnfüllungen, Kronen, Brücken oder Implantate können Schaden nehmen. Zudem können sich die Wurzeln durch den Dauerdruck lockern – der Zahn fängt an zu wackeln. Im Kiefergelenk kann das Dauerknirschen zu Schmerzen und Knackgeräuschen beim Kauen führen, auch seine Beweglichkeit kann eingeschränkt sein.

Wie erkennst du, dass du mit den Zähnen knirschst?

Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie nachts mit den Zähnen knirschen. Oft werden sie von ihrer Partnerin, ihrem Partner oder Eltern darauf aufmerksam gemacht. Andere erfahren in der Zahnarztpraxis, dass ihre Zähne abgenutzt sind. Hier ein paar untrügliche Anzeichen, dass du knirschst:

  • Geräusche von Pressen und Knirschen während des Schlafs
  • Defekte an deinen Zähnen
  • Schmerzen im Kiefergelenk
  • beim Aufwachen kannst du den Mund manchmal nur schwer öffnen
  • Schmerzen in den Kaumuskeln
  • Kopfschmerzen beim Aufwachen
  • überempfindliche Zähne
  • schlechter Schlaf

Ab zum Zahnarzt: Knirsch-Checks

Symptome wie abgeschliffene oder gelockerte Zähne kann deine Zahnärztin oder dein Zahnarzt checken. Morgendliche Kiefer- oder Kopfschmerzen kannst du selbst beobachten. Achte darauf und sprich es beim nächsten Zahnarztbesuch an. In ernsten Fällen kann der Weg auch ins Schlaflabor führen. Dort untersuchen Fachleute deine Kieferbewegungen und Knirschgeräusche während du friedlich schlummerst. Man nennt das Polysomnographie. Eine Therapie ist spätestens nötig, wenn die Knirscherei Schmerzen und Verspannungen in den Kiefergelenken oder Kopfschmerzen verursacht oder wenn deine Zähne bereits geschädigt sind.

Was hilft gegen Zähneknirschen?

Aufbissschiene

Eine Knirschschiene, die sogenannte Okklusionsschiene, reduziert den Abrieb an den Zähnen und entlastet das Kiefergelenk und kann so Schmerzen vorbeugen. Sie wird von Zahntechniker:innen angepasst. Du stülpst sie abends über die Zähne und sie verhindert mit Vertiefungen für die gegenüberliegenden Zähne das Knirschen. Damit werden oft sehr gute Effekte erzielt; die Wirkung hält jedoch nur während der Anwendung an und lässt danach meistens wieder nach, heißt, du musst sie solange tragen, wie das Knirschen anhält. Die AOK Rheinland/Hamburg übernimmt in der Regel die Kosten für eine Schiene.

Biofeedback

Hier wird über eine Sonde am Kaumuskel deine Muskelspannung gemessen und über bestimmte Töne an dich zurückgemeldet. So wirst du dir der Anspannung in den Kaumuskeln bewusst, sodass du sie selbst bewusst unterbrechen kannst, wenn du etwa bei Stress im Alltag eine zu hohe Spannung im Kiefer wahrnimmst.

Hypnotherapie

Hier wird versucht, eine Verlagerung der Muskelanspannung aus dem Kiefer in die Hand zu suggerieren oder das Aufwachen bei jedem Zähneknirschen, bis die Gewohnheit verändert ist, oder sich die Anspannung im Schlaf von alleine lösen kann.

Botulinumtoxin

Die Injektion von Botox macht nicht nur die Stirn faltenfrei, sondern kann auch die Kaumuskeln entspannen. Das führt zu einer Verminderung des Zähneknirschens. Allerdings übernehmen Krankenkassen die Kosten nicht generell. Das musst du mit deiner Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Physiotherapie

Eine physiotherapeutische Behandlung kann die Spannung in deiner Kaumuskulatur reduzieren.

Psychotherapie und Entspannung

Bei stressbedingtem Zähneknirschen kann eine Psychotherapie helfen. So kann zum Beispiel eine Verhaltenstherapie mit Entspannungstechniken, etwa progressiver Muskelentspannung, kombiniert werden. Finde heraus, was dir persönlich am besten gegen Stress hilft: Sport, Yoga, ein warmes Bad? Oder eine Selbstmassage der verspannten Muskeln im Gesicht und im Kiefer? Meditation und Achtsamkeitstraining helfen ebenfalls, da sie die Wahrnehmung für den eigenen Körper trainieren. Generell ist es sinnvoll, sich im Alltag selbst zu beobachten und herauszufinden, in welchen Situationen man knirscht. Presst man die Zähne etwa im Unterricht aufeinander, kann es helfen, den Mund leicht zu öffnen, den Unterkiefer bewusst locker zu lassen und entspannt hin und her zu bewegen.

Schlafhygiene

Achte zudem auf guten Schlaf: Raumtemperatur zwischen 16 und 19 Grad, kein Computer oder Fernseher im Schlafzimmer. Handy auf Flugmodus. Gehe möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett und verzichte abends auf schweres Essen. Rauche nicht und trinke möglichst wenig Alkohol. Mehr Tipps zu gesundem Schlaf haben wir natürlich auch für dich!

Fazit: Zähneknirschen

Eins sollte klar sein – mit Zähneknirschen oder Pressen ist nicht zu Spaßen. Du solltest unbedingt was unternehmen und mit deiner Zahnärztin oder Zahnarzt sprechen, wenn du das noch nicht getan hast. Wenn du merkst, dass das ganze vielleicht eine Stressreaktion deines Körpers sein könnte, ist das hoffentlich auch ein Alarmzeichen. Überlege mal, wie du den Stress in deinem Leben reduzieren kannst. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen – aber je früher du anfängst, was zu tun, desto besser. Das werden dir nicht nur deine Zähne danken.