Um den Vegetarismus ranken sich viele Gerüchte. Ist ein Leben ohne Fleisch schädlich? Oder führen Vegetarier doch den gesünderen Lebensstil? Wir haben uns die fünf bekanntesten Mythen einmal genauer angeschaut.

 

Mythos #1: Vegetarier leiden an Eiweiß-Mangel

Proteine, auch bekannt als Eiweiß, sind ein überlebenswichtiger Baustein für unsere Körper. Gerade Fleisch enthält viel Eiweiß, woraus viele schließen, dass Vegetarier doch unter einem akuten Mangel an Proteinen leiden müssten. Doch stimmt das?
Fleisch und Fisch gelten im Volksmund als die wichtigsten Proteinlieferanten. Da Vegetarier in der Regel auf beides verzichten, müssen sie einen Weg finden, ihren Eiweißbedarf auf eine andere Weise zu decken. Eier und Milchprodukte wie Magerquark oder Käse sind da eine gute Alternative. Wer komplett auf tierische Eiweiße verzichtet, kann auch auf pflanzliche Vertreter wie Hülsenfrüchte, Nüsse und Soja-Produkte umsteigen. Es gibt also auch ohne Fleischkonsum genug Möglichkeiten, den Bedarf an Eiweiß zu decken.

Vegetarische Ernährung beginnt beim Kühlschrank

 

Mythos #2: Wer viel Sport treibt, sollte nicht auf Fleisch verzichten

Eiweiß ist vor allem für den Muskelaufbau, die Stärkung der Knochen sowie des Knorpels verantwortlich und somit ein wichtiger Nährstoff für Sportler. Aus ähnlichen Gründen wie bei Mythos 1 sind viele Menschen der Meinung, dass Vegetarismus und Leistungssport sich ausschließen. Aber ist das wirklich so?
Wie du bereits gelesen hast, gibt es viele Alternativen zu Fleisch als Proteinlieferanten. Der „Hobby-Sportler“ braucht sich also keine Gedanken zu machen.
Es gibt auch viele Leistungssportler wie Dirk Nowitzki oder Lewis Hamilton, die komplett auf Fleisch verzichten. Um den ungleich höheren Eiweiß-Bedarf über pflanzliche Proteinlieferanten zu decken, braucht es allerdings einen durchdachten Ernährungsplan und ein wenig Disziplin. Am besten erstellst du diesen zusammen mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.

 

Mythos #3: Fleischersatz-Produkte sind ungesund

In vielen Supermärkten findest du heute bereits ein breites Angebot an vegetarischen Schnitzeln, Maultaschen und sogar Speckwürfeln im Kühlregal. Sie werben nicht selten damit, eine gesunde Alternative zu ihren nicht-vegetarischen Pendants darzustellen. Sind sie das?
Da es mittlerweile ein Riesensortiment an Veggie-Produkten gibt, ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Trotzdem ist beim Kauf Vorsicht geboten. Laut einer Untersuchung der Stiftung Ökotest enthalten viele der Produkte übermäßig viel Zucker, Salz, Fett und Schadstoffe wie Mineralöl oder genverändertes Soja. Fast die Hälfte der Produkte fielen im Test durch. Prinzipiell kann man sagen: Je stärker ein Produkt verarbeitet ist und je länger die Zutatenliste, desto ungünstiger. Hier gilt also: Augen auf beim Veggie-Kauf!

Obst und Gemüse sind wichtiger Bestandteil der Ernährung

 

Mythos #4: Vegetarier nehmen schlechter Jod auf

Jod ist wichtig für die Produktion von Schilddrüsenhormonen und damit essentiell für unseren Stoffwechsel. Oft hört man, dass Vegetarier unter Jodmangel leiden würden. Was steckt dahinter?
Die Aussage ist zumindest nicht ganz falsch. Lebensmittel wie Nüsse, Soja und Gemüse enthalten Substanzen, die die Jod-Aufnahme hemmen können. Das Defizit kann unter anderem durch Einsatz von jodiertem Speisesalz, verarbeiteten Lebensmitteln mit jodiertem Speisesalz sowie Milch- und Milchprodukten ausgeglichen werden. Dennoch ist Vorsicht geboten: Bei ernsthaften Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion solltest du gleich den Arzt aufsuchen, um deinen TSH-Wert im Blut checken zu lassen. Klassische Symptome sind anhaltende Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Verstopfung.

 

Mythos #5: Vegetarier haben eine höhere Lebenserwartung

Vegetarier ernähren sich gesund und leben deshalb länger als ihre fleischessenden Mitmenschen. Stimmt das?
Viele Studien haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Es gibt zwar kein eindeutiges Ergebnis, die Tendenz geht aber dahin, dass Vegetarier sich tatsächlich eines längeren Lebens erfreuen dürfen. Experten führen das aber nicht unmittelbar auf die Ernährung zurück. Sie gehen davon aus, dass Vegetarier auch in anderen Lebensbereichen sehr viel bewusster leben würden als andere. Sie würden sich mehr bewegen und weniger Schadstoffe wie Alkohol zu sich nehmen. Klingt logisch, oder?

Zum Schluss können wir festhalten, dass der Vegetarismus gar nicht so knifflig ist, wie viele vielleicht denken. Wie wär’s? Probiere es doch einfach mal aus!