zwei Azubis mit Maske gegen sich einen Ellbogencheck

Welchen Einfluss hat Corona auf meine Ausbildung? Muss ich ins Homeoffice und wie ist das mit Kurzarbeit? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Ausbildung und Corona.

Klar, Corona beeinflusst das Leben von allen. Viele Arbeitnehmende müssen ins Homeoffice, Studis lernen von zuhause und Schüler und Schülerinnen müssen – unter Umständen – in den Wechselunterricht. Aber wie sieht es eigentlich mit Azubis aus? Je nach Beruf kann man ja nicht so einfach von zuhause aus weiter machen – und wer betreut einen da überhaupt?

Wir haben für euch die wichtigsten Antworten zum Thema Ausbildung und Corona.

Übrigens untersuchte eine Studie die Situation in Ausbildungsbetrieben im Sommer 2020. Keine große Überraschung: Besonders für Betriebe im Gastgewerbe gab es weitreichende Konsequenzen. Im Handwerk waren die Folgen vergleichsweise gering. Fehlende Arbeit und Entlassung ist also nur in manchen Bereichen ein Thema.

Muss ich in den Betrieb, wenn die Berufsschule geschlossen hat?

Auch die Berufsschule kann wegen hoher Inzidenzen schließen. Manche Schulen bieten Online-Unterricht an, sodass die Ausbildung weiter läuft. Gibt es dieses Angebot nicht und der Unterricht fällt aus, bedeutet das keinesfalls, dass man einfach zu Hause chillen kann. Azubis müssen dann stattdessen im Ausbildungsbetrieb erscheinen.

Darf ich zu Hause bleiben, wenn mir das Ansteckungsrisiko zu hoch ist?

Ganz klar: Einfach entscheiden daheim zu bleiben, geht nicht. Ein Azubi darf die Ausbildung nicht verweigern, auch wenn es ein erhöhtes Ansteckungsrisiko im Betrieb oder auf dem Weg dorthin geben könnte. Wer das ohne vorherige Absprache macht, muss mit Konsequenzen rechnen. Im schlimmsten Fall kann die Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet sein.

Aber keine Sorge: Wenn es eine konkrete Gefährdung gibt, also zum Beispiel durch Vorerkrankungen, können individuelle Vereinbarungen getroffen werden. Man könnte zum Beispiel vorübergehend freigestellt werden oder die Ausbildung zeitweise ins Homeoffice verlegen. Etwa 82 Prozent der Betriebe haben außerdem die Arbeitsabläufe so verändert, dass überall der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Homeoffice für Azubis – geht das?

Die Industrie- und Handelskammer sagt: „Grundsätzlich sollten Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten.“ Der Hintergrund ist, dass der persönliche Kontakt zwischen Azubi und Ausbilder bzw. Ausbilderin nicht abreißen sollte. Einerseits, um die Ausbildungsinhalte gut zu vermitteln. Andererseits, um die Arbeitsergebnisse im Blick zu behalten. Besonders letzteres ist im Homeoffice schwierig.

Das bedeutet nicht, dass Homeoffice gar nicht möglich ist. Es müssen nur entsprechende Strukturen geschaffen werden, damit die Ausbildung gut weiterläuft. Das könnten zum Beispiel regelmäßige Updates per Videoanruf sein oder eine „so lief mein Tag“-E-Mail am Ende eines Arbeitstages.

Die drei Azubis der AOK Rheinland/Hamburg Liana, Marie-Christine und Julian erzählen in diesem Video davon, wie sie die Corona-Zeit während ihrer Ausbildung erlebt haben.

Was, wenn es keine Arbeit mehr gibt in meinem Betrieb?

Manche Betriebe müssen bei hohen Inzidenzen schließen, zum Beispiel Hotels oder Restaurants. Dann gibt es weniger Arbeit für alle – auch für Azubis. Das bedeutet aber nicht, dass die Ausbildung gezwungenermaßen auf Eis liegt. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass Azubis zeitweise an andere Betriebe ausgeliehen werden. Während manche Firmen nämlich komplett zu sind, suchen andere händeringend nach Unterstützung oder wollen vielleicht auch kleinere Unternehmen vor Ort unterstützen. Wichtig für die Ausleihe: Die neue Firma muss auch Ausbildungsbetrieb sein und die Ausbildung problemlos fortführen können.

Eine Ausleihe kann übrigens nicht über euren Kopf hinweg entschieden werden – ihr müsst dem Ganzen zustimmen. Und am Ende geht es wieder zurück in den ursprünglichen Betrieb.

Können Azubis in Kurzarbeit geschickt werden?

Kurzarbeit für Azubis geht normalerweise nicht. Der Ausbildungsbetrieb muss erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen – denn die Ausbildung muss auch während Corona weiter stattfinden. Mögliche Optionen wären zum Beispiel: Ausbildungsplan umstellen und Lerninhalte vorziehen, Versetzung in andere Abteilungen oder auch die Rückversetzung in die Lehrwerkstatt. Erst wenn keine andere Lösung mehr bleibt, um Azubis zu beschäftigen und zu unterrichten, kann Kurzarbeit vorübergehend in Frage kommen. Welche Ansprüche ihr (auch finanziell) in solch einem Fall habt, erfahrt ihr auf den Seiten der IHK.

Kann mir wegen Corona gekündigt werden?

Kurzarbeit ist kein Kündigungsgrund. Auch nicht während Corona. Kommt der Betrieb vollständig und über längere Zeit zum Erliegen, beeinträchtigt das aber die Ausbildung. Wenn die Firma dadurch nicht mehr als Ausbildungsbetrieb geeignet ist, können Azubis tatsächlich entlassen werden. In dem Fall muss sich der Betrieb gemeinsam mit der Agentur für Arbeit rechtzeitig um eine andere Ausbildungsstelle kümmern.

Was ist, wenn der Betrieb pleite geht?

Manche Unternehmen haben durch die Coronakrise so sehr gelitten, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten und Insolvenz anmelden mussten. In diesem Fall übernimmt ein sogenannter Insolvenzverwalter alle Rechte und Pflichten des Betriebs – auch, was die Ausbildung angeht. Denn das Insolvenzverfahren hat zuerst keine direkte Auswirkung auf den Ausbildungsvertrag.

Wenn der Betrieb aber irgendwann ganz geschlossen wird, kann dort die Ausbildung nicht mehr weitergehen. Sobald das absehbar wird, sollte das Unternehmen Kontakt zur Agentur für Arbeit oder auch der IHK-Ausbildungsberatung aufnehmen. Gemeinsam kann man klären, wie es mit der Ausbildung weitergeht.

Welche Ausbildungen werden durch Corona wichtiger?

Die Corona-Krise hat gezeigt: Manche Berufsgruppen sind relevanter als gedacht, um das Alltagsleben in Deutschland aufrechtzuerhalten. Einige Jobs könnten in Zukunft auch eine wichtigere Rolle spielen als früher. Dazu gehören beispielsweise:

  • Kaufleute im E-Commerce (Stichwort: Online-Handel)
  • Pflegefachkräfte (braucht keine Erklärung, oder?)
  • Laborassistenten und -assistentinnen (mehr Arbeit in Laboren mit Corona-Tests etc.)
  • Spieleentwickler und -entwicklerinnen (viele Menschen haben im Lockdown mit (Video-)Spielen angefangen)
  • Lebensmitteltechniker und -technikerinnen (der Trend geht zur gesunden Ernährung)

Alles klar soweit?

Wie sind eure Erfahrungen mit Ausbildung während der Pandemie? Schreibt uns gerne eine DM bei Instagram. Wenn ihr noch keinen Ausbildungsplatz habt, könnt ihr übrigens hier mal nachschauen, wie man sich am besten bewirbt.

Unsere Quellen: 

Coronavirus – was bedeutet das für die Berufausbildung? (IHK)

Corona und Ausbildung: Die Folgen für Schüler und Azubis (ausbildung.de)

Ausbildung während der Corona-Krise (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA))