Hilfe bei Magersucht – 8 Tipps für Angehörige

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Ein Freund oder eine Freundin ist magersüchtig. Was kannst du tun? Auch für das Umfeld der betroffenen Person eine schwierige Situation, in der man sich oft hilflos und verloren fühlt. Ohne Unterstützung von Experten und dem Willen des Betroffenen selbst, wirst du der Person alleine nicht aus der Magersucht heraushelfen können. Wir haben 6 Tipps für dich, wie du im Rahmen deiner Möglichkeiten trotzdem unterstützen kannst:

1. Offenes Gespräch suchen

Versuche die Person offen, aber sehr behutsam auf deinen Verdacht anzusprechen. Informiere dich vorher über das Krankheitsbild. Sprich an, welche Veränderungen dir in der letzten Zeit aufgefallen sind. Magersüchtige glauben oft selbst nicht, dass sie krank sind. Denn ein Teil der Krankheit ist die sogenannte Körperbildstörung – Betroffene erkennen nicht, dass sie längst zu dünn sind. Das kann man sich wie einem Verzerrungs-Filter bei Snapchat vorstellen: Magersüchtige sehen in einem Spiegel ein verzerrtes Bild, nämlich eine Person, die zu dick ist. Nur durch eine Therapie begreifen sie nach und nach, wie klapperdürr sie bereits sind.
Übrigens: Bei Magersucht helfen Sprüche wie „Du musst doch gar nicht abnehmen“ oder „Du bist dünn genug“ gar nicht. Versuche keinerlei Kritik an der Figur und am Essverhalten zu üben und vermeide Vorwürfe.

2. Sorge zeigen

Auch wenn deine Freundin oder dein Freund ein Gespräch ablehnt, wütend darauf reagiert oder alles abstreitet: Bleib am Ball und mache immer wieder deutlich, dass du dir Sorgen machst. Zeige, dass dir die Person vertrauen kann, du für die Person da bist, dass sie nicht alleine ist, dass du sie gerne hast und du helfen willst, wo immer es möglich ist. Rückhalt und Unterstützung sind besonders wichtig.

3. Da sein – ohne zu überfordern

Überfordere die Person aber nicht, wenn sie oder er nicht darüber reden möchte oder zwinge sie gar zum Essen. Übe keinen Druck aus. Auch wenn es schwer zu begreifen ist, die oder der Betroffene kann sich nur selbst helfen bzw. von einem professionellen Therapeuten helfen lassen, wenn er oder sie selbst dazu bereit ist. Sei geduldig, eine Heilung braucht Zeit.

4. Nicht selbst therapieren

Vermeide es, nach Ursachen für die Magersucht zu suchen. Du bist kein Therapeut und kannst diese Rolle auch nicht übernehmen.

5. Gemeinsam zum Beratungsgespräch

Wenn die Person erkannt hat, dass sie an einer Krankheit leidet oder erstes Interesse äußert Unterstützung zu erhalten, biete an, gemeinsam eine Beratungsstelle oder einen Arzt zu finden und bei der Auswahl einer Threapiemöglichkeit zu unterstützen. Ein erstes Gespräch kann in einer Beratungsstelle, die Erfahrung mit Essstörungen hat, stattfinden. Der Verein Selbsthilfe bei Magersucht e.V. hat eine Datenbank mit Beratungsstellen in ganz Deutschland online gestellt. Eine weitere Möglichkeit ist, den Hausarzt oder einen anderen Arzt, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht, aufzusuchen. Sei nicht böse, wenn die Person deine Hilfe ablehnt. Oft sind sehr private Dinge Grund für die Magersucht.

6. Während und nach der Therapie unterstützen

Es dauert oft lange, Anorexie in den Griff zu bekommen. Die Betroffenen ziehen sich häufig zurück. Für eine magersüchtige Freundin oder einen magersüchtigen Freund da zu sein, ist das Allerwichtigste! Auch wenn die Person Einladungen ablehnt, ist es wichtig, dass du dran bleibst und immer wieder aufs Neue versuchst. Falls er oder sie in eine Klinik muss, ist es wichtig, dass sie Nachrichten, Anrufe und Besuch bekommt – die betroffene Person muss merken, dass sie keiner vergisst! Auch später im Alltag können Freunde und Familie ihre weitere Genesung unterstützen. Wichtig ist dabei vor allem sie nicht zu überfordern, unter Druck zu setzen und zu akzeptieren, wenn sie ihre Grenzen erreicht hat.

7. Selbsthilfegruppe kontaktieren

Auch für dich kann es sinnvoll sein, dich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Es kann dir helfen, besser mit der Situation zurechtzukommen. Denn der Umgang mit jemandem, der unter einer Essstörung leidet, kann frustrierend und emotional belastend sein. Durch diese schwierige Zeit können ein Therapeut oder eine Selbsthilfegruppe helfen.

8. In Extremsituationen

Es kann notwendig werden, dass du handeln musst, wenn die Gesundheit der betroffenen Person extrem gefährdet ist. In diesem Fall solltest du unbedingt mit ihren Eltern, Angehörigen oder mit einem Arzt über die weitere Vorgehensweise sprechen.