Ein Organspendeausweis kann Leben retten, wird aber zu selten genutzt. Im letzten Jahr gab es in Deutschland rund 9.400 Menschen, die auf ein Organ gewartet haben, aber nur 955 Organspender. 84 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine Organspende aus, doch nur etwa 36 Prozent halten ihre Entscheidung laut der Deutschen Stiftung Organspende in einem Ausweis fest – sie überlassen somit diese schwerwiegende Entscheidung ihren Angehörigen. So könnte sich auch der Mangel an Spenderorganen erklären. Dabei ist das Ausfüllen eines Organspendeausweises ganz leicht – und du kannst selbst bestimmen, ob und welche Organe du spenden möchtest.

Was ist Organspende eigentlich genau?

Organspende bedeutet, dass gesunde Organe oder Gewebe an kranke Menschen weitergegeben werden, deren Überlebenschancen oder deren Gesundheitszustand sich dadurch erheblich verbessert. Das setzt selbstverständlich den kompletten und unwiderruflichen Ausfall aller Gehirnfunktionen des Spenders voraus – den sogenannten Hirntod. Dieser wird von mindestens zwei erfahrenen Ärzten auf der Intensivstation eines Krankenhauses unabhängig voneinander geprüft.

Wird im Ernstfall wirklich alles für mich getan?

Je nach Schwere der Hirnschädigung gilt ein Beobachtungszeitraum von 12 bis 72 Stunden, in denen der Körper künstlich „am Leben“ gehalten wird. Erst danach kann es überhaupt zu einer Organspende kommen. Voraussetzung ist, dass der Tote zu Lebzeiten schriftlich zugestimmt hat oder – im Falle eines nicht vorhandenen Spendeausweises – seine nächsten Angehörigen dies nach seinem Tod tun. Zweifellos fest steht: Das Leben des Patienten hat unter Einsatz aller medizinischen Maßnahmen immer Vorrang. Die Angst, Ärzte könnten sich bei Organspendern weniger Mühe geben, ist völlig unbegründet.

Welche Organe können gespendet werden?

Gespendet werden können sowohl Organe als auch Gewebe. Dazu zählen zum einen Herz, Leber, Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm, zum anderen Blutgefäße, Teile der Haut, Hornhaut der Augen, Knorpel, Sehnen, Bänder und Knochengewebe. Während bei einer Organtransplantation jede Minute zählt, können Gewebespenden auch noch mehr als einen Tag nach dem Tod entnommen werden. Sie werden aufbereitet und in sogenannten Gewebebanken gelagert, bis es zu einer Operation kommt.

Was bringt ein Organspendeausweis genau?

Mit einem Organspendeausweis kannst du selbstbestimmt entscheiden, was mit deinem Körper im Ernstfall passiert. Deinem auf dem Ausweis festgehaltenen Entschluss kann später niemand mehr widersprechen. Diese Möglichkeiten stehen dir offen:


1. Ja! Mit diesem Kreuz stimmst du einer Organspende uneingeschränkt zu.
2. Diese Organe nicht! Mit diesem Kreuz schließt du bestimmte Organe/Gewebe aus.
3. Nur diese! Mit diesem Kreuz gibst du bestimmte Organe an, die du spenden möchtest.
4. Nein! Mit diesem Kreuz lehnst du die Organspende komplett ab.
5. Stellvertreter: Mit diesem Kreuz kannst du die Entscheidung auf eine andere Person übertragen. Informiere sie aber unbedingt!

Jetzt noch deinen Namen, deinen Geburtstag und deine Adresse eintragen, das Ganze unterschreiben und schon bist du auf den unwahrscheinlichen Fall der Fälle bestens vorbereitet.

Wie bekomme ich einen solchen Ausweis?

Sobald du 16 bist, schickt dir deine Krankenkasse einen Organspendeausweis zu oder informiert dich, wo du ihn bekommst – selbstverständlich kostenlos. Ach ja: Bewahre den Ausweis am besten in deiner Geldbörse auf, damit man ihn auch wirklich findet! Im Ernstfall ist Zeit wichtig, es kann um jede Stunde gehen. Und sprich mit deiner Familie über die Entscheidung, die du getroffen hast – du nimmst ihnen damit eine Menge Verantwortung ab.

Du möchtest noch mehr zum Thema Organspende erfahren, um dir eine Meinung zu bilden? Hier gibt es weitere Infos: aok.de/organspende.