Bist du häufig genervt von der Schule und überlegst sogar, alles hinzuschmeißen? Damit bist du nicht allein. Im Jahr 2015 hat etwa jeder zwanzigste Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen.* Doch dieser Schritt sollte gut überlegt sein. Denn ohne Schulabschluss wird es nicht nur schwieriger, einen Job zu finden, sondern der Schulabbruch kann auch rechtliche Konsequenzen haben.

Gründe für einen Schulabbruch

Es gibt viele verschiedene Gründe, die Jugendliche dazu bewegen, die Schule abzubrechen. Häufig zählen dazu individuelle Erfahrungen in der Schule oder im familiären Umfeld, aber auch existenzielle Sorgen wie Geldnot. Zudem wird der Schulalltag für einige Kinder und Jugendliche zur Belastung, weil sie Mobbing durch andere Schüler oder Lehrer erfahren. Auch Über- oder Unterforderungen mit dem Lernstoff können zum Schulabbruch führen.

Wer darf die Schule abbrechen?

Die Schule darfst du erst nach dem Ende der gesetzlichen Schulpflicht abbrechen. Über Bildungsfragen entscheiden in Deutschland die Bundesländer. Daher gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung. Die Vollzeitschulpflicht beträgt jedoch in jedem Fall mindestens neun Jahre. Minderjährige benötigen zudem die Zustimmung ihrer Eltern. Wenn du die Schule wirklich abbrechen willst, solltest du nicht einfach aufhören hinzugehen. Vor dem Gesetz gilt das als Schulverweigerung, die bestraft werden kann.

Kommen Schüler ihrer Schulpflicht nicht nach, können Zwangsmaßnahmen verhängt werden: Im Extremfall wäre das die zwanghafte Rückführung zur Schule durch die Polizei. Soweit kommt es in der Regel erst, wenn alle Maßnahmen von Schule, Schul- und Jugendamt erfolglos blieben. Zudem können Geldstrafen gegen die Überwachungspflichtigen, also bei Minderjährigen in der Regel die Eltern, verhängt werden.

Jedoch gibt es auch Maßnahmen, die ergriffen werden können, um der Schulpflicht nach einem Schulabbruch weiterhin nachzukommen. Das können der Besuch einer Berufsschule im Rahmen einer Ausbildung oder auch sogenannte Maßnahmen der vollzeitschulischen Berufsorientierung, die man auch als Berufsvorbereitungsjahre bezeichnet, sein. Dabei kann man gegebenenfalls auch den Hauptschulabschluss nachholen. Falls du nicht weißt, wie es nach dem Schulabschluss oder -abbruch weitergehen soll, hilft dir die Agentur für Arbeit weiter.

Schule abbrechen oder wechseln

Welche Alternativen gibt es?

Ein fehlender Schulabschluss erschwert in der Regel auch die Jobsuche. Der Schulabbruch hat daher unmittelbare Auswirkungen auf deine Zukunft. Daher kann es hilfreich sein, mit einem Vertrauenslehrer oder Sozialarbeiter über den möglichen Schulabbruch zu sprechen. Dieser ist nicht dazu da, dir dein Vorhaben auszureden, sondern dich zu unterstützen und dir eventuell auch andere Wege aufzuzeigen. Falls es an deiner Schule oder in deinem Umfeld keine Vertrauensperson gibt oder du dich nicht verstanden fühlst, kannst du dich an soziale Beratungsstellen, zum Beispiel beim Jugendamt, wenden.

Alternativen bei …

… Geldnot: Wenn du denkst, das Wichtigste sei es, schnell Geld zu verdienen, solltest du dir bewusst machen, dass du in der Regel mit einem Schulabschluss in Zukunft deutlich mehr Geld verdienen wirst. Sprich mit einer Vertrauensperson darüber, welche Möglichkeiten der finanziellen Förderung durch Stipendien oder Stiftungen angeboten werden. Sie können es dir ermöglichen, die Schule ohne finanziellen Druck abzuschließen. Wenn du dir nur etwas Taschengeld dazu verdienen möchtest, solltest du es mit einem Nebenjob versuchen.

… Überforderung: Du hast den Anschluss an den Schulstoff verloren oder der Unterrichtsstoff ist dir zu schwierig? Eine Lösung kann dann Nachhilfeunterricht, gezielte Förderung durch den Lehrer beziehungsweise die Schule, das Wiederholen einer Klasse oder auch der Wechsel der Schule beziehungsweise Schulform (z. B. vom Gymnasium auf die Realschule) sein. Auch wenn es im ersten Moment schwerfällt, zuzugeben, dass man überfordert ist, sollte man das seinen Eltern und Lehrern schnellstmöglich mitteilen, um eine geeignete Alternative zu finden.

… Unterforderung: Du langweilst dich, weil dir alles viel zu einfach erscheint? Lösungen können hier wie auch bei der Überforderung ein Schulwechsel beziehungsweise der Wechsel der Schulform sein. Gegebenenfalls ist hier auch der Wechsel auf eine Schule sinnvoll, die auf ein Fachgebiet spezialisiert ist, das dir besonders liegt und dich fördert. Das können zum Beispiel Schulen mit Schwerpunkt im Bereich Wirtschaft, Technik, Sprachen, Sport oder Musik sein.

Doch es gibt auch Situationen, in denen es keinen anderen Ausweg zu geben scheint als die Schule abzubrechen. Dazu können zum Beispiel eine Schwangerschaft oder auch ein schwerer Krankheitsfall in der Familie zählen. Was viele nicht wissen: In besonderen Fällen kannst du dich vorübergehend offiziell von der Schule beurlauben lassen. Gründe können neben dem Mutterschutz beispielsweise auch ein Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr sein.

 

*Caritas Bildungsstudie 2017