Ausbildung bei der AOK – zum Sofa?!

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159 Azubis hat die AOK Rheinland/Hamburg im vergangenen Jahr eingestellt. Im vigozone-Interview erklärt Stefanie Buske aus der Personalabteilung, welche Anforderungen Bewerber für eine Ausbildung bei der AOK erfüllen sollten und wie das Auswahlverfahren abläuft.

Welche Ausbildungswege gibt es bei der AOK?


Insgesamt sind es fünf. Wir bilden aus: Kaufmänner – und Kauffrauen natürlich – für Büromanagement, Zahnmedizinische Fachangestellte, Fachinformatiker für den Bereich Anwendungsentwicklung und Sozialversicherungsfachangestellte, abgekürzt Sofas. Das ist auch mit integriertem Studium, als sogenannte duale Ausbildung, möglich. Die Sofas sind bei uns zahlenmäßig die stärkste Gruppe und werden am dringendsten gebraucht.

Dafür bewerben sich doch auch bestimmt sehr viele?


Das ist zwar richtig, aber wir stellen auch sehr viele Auszubildende ein. Im vergangenen Jahr waren es allein 128 Sofas. Wer Lust hat, bei uns zu arbeiten, sollte also unbedingt seine Unterlagen abgeben!

Habe ich denn auch ohne Abi eine Chance auf eine Ausbildung bei der AOK?


Natürlich! Für uns ist eine gute Mischung sehr wichtig. Wir achten daher bewusst darauf, Bewerber mit verschiedenen Schulabschlüssen einzustellen.

Und wenn ich keine Top-Noten habe?

Die Persönlichkeit ist für uns ehrlich gesagt entscheidender. Beim Zeugnis schauen wir vor allem auf Deutsch und Mathe. Wenn jemand in diesen Fächern eine Fünf hat, wird es eng für eine Ausbildung bei der AOK. Aber mehr erwarten wir tatsächlich nicht.

Muss ich eine Bewerbungsmappe einreichen?


Nicht zwangsläufig. Wir bieten auch die Möglichkeit an, sich online zu bewerben. Künftig wird es dafür sogar eine Smartphone-App geben. Was aber ganz wichtig ist: Die Bewerber sollten sorgfältig sein. Auch in eine Online-Bewerbung gehören keine Rechtschreibfehler.

Was passiert, wenn Ihnen die Unterlagen gefallen?


Wir laden jedes Jahr zwischen 900 und 1.200 Bewerber zum Einstellungstest ein. Das ist ein schriftlicher Test, bei dem verschiedene Aufgaben in einer festgelegten Zeit gelöst werden müssen. Etwa ein Drittel der Jugendlichen besteht diesen Test. Die laden wir dann zum Gruppenauswahlverfahren für eine Ausbildung bei der AOK ein.

Wie muss ich mir das vorstellen?


Wir wollen die Bewerber näher kennenlernen. Dafür lassen wir sie zum Beispiel miteinander über ein Thema diskutieren, während wir sie beobachten. Es ist für uns sehr aufschlussreich, wie die Jugendlichen miteinander umgehen, wie sie auf Argumente der anderen reagieren, ob sie sich einbringen. In einem weiteren Teil müssen sie Aufgaben erfüllen. Ein Beispiel: Früher haben wir Bewerber gebeten, jemand anderem eine Hose zu verkaufen, fiktiv natürlich. Wir schauen uns dann an, welche Argumente ihnen einfallen, wie kreativ sie sind, wie sie sich verhalten, wie gut sie das Ziel im Auge behalten und so weiter.

Was kommt denn besonders gut bei Ihnen an? Jemand, der sich in einer Gruppendiskussion durchsetzt?

Nein, so einfach ist das nicht. Viele Auszubildende werden ja später in der Kundenberatung arbeiten. Sie sollten also auf Gesprächspartner eingehen können. Außerdem berücksichtigen wir das Alter. Wenn ein 15-Jähriger in solch einer Situation überhaupt etwas sagt, ist das schon toll. Von einem 20-jährigen Abiturienten erwarten wir mehr.

Was ist Ihnen noch wichtig?


Zum Beispiel sollten die Bewerber ergebnisorientiert handeln, also die Aufgabe lösen und nicht zu stark abschweifen. Sie sollten Initiative zeigen, indem sie eigene Ideen und Gedanken einbringen und sich für die Umsetzung stark machen. Wichtig ist auch, dass sie Verantwortung für ihr Handeln tragen und bereit sind, Aufgaben zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Ich könnte jetzt noch weitere Punkte aufzählen, aber am Ende ist es der Gesamteindruck, der zählt. Ein Bewerber kann zum Beispiel alle Aufgaben perfekt erfüllen. Wenn er dabei aber überheblich wirkt, stellen wir ihn nicht ein.

Folgt noch ein richtiges Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung bei der AOK?


Ja, das führen die Bewerber mit zwei unserer Mitarbeiter am Ende des Gruppenauswahlverfahrens. Die unterhalten sich ausführlich mit den Jugendlichen und schauen dann auch noch mal genauer auf die Bewerbungsunterlagen.

Sollten sich die Jugendlichen für diesen Tag dann auch genau wie für ein Vorstellungsgespräch anziehen?

Ich sage es mal so: Wir hatten schon Bewerber, die in zerrissenen Jeans und dreckigen Turnschuhen angekommen sind. Das macht keinen guten Eindruck. Es ist aber auch nicht sinnvoll, wenn ein junger Mann einen Anzug trägt, in dem er sich offensichtlich überhaupt nicht wohlfühlt. Ein Mittelweg ist gut. Ordentlich und nett, aber so, dass die Jugendlichen sich mit der Kleidung identifizieren können. Zum Beispiel Jeans und Sakko für Jungs.

Was ist mit Piercings und Tattoos?


Für das Auswahlverfahren spielen sie keine Rolle, aber die Bewerber sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie Piercings später eventuell rausnehmen und Tattoos durch Kleidung abdecken müssen, wenn sie sich für eine Ausbildung bei der AOK entscheiden. Wie gesagt: Viele Mitarbeiter werden ja in der Kundenberatung eingesetzt.

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