Codename Eva – Der AIDS-Test

Katharina (20) war sich sicher: „Ich kann eigentlich kein AIDS haben, ich hatte doch nur feste Beziehungen.“ Kurz vorm AIDS-Test beim Kölner Gesundheitsamt kreist das „eigentlich“ in ihrem Kopf wie eine gefangene Fliege in einem Glas. Panik steigt in ihr auf. Ein Erfahrungsbericht:

„Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich AIDS haben könnte. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe und hatte auch keine wilde Phase oder so was. Aber jetzt bin ich frisch verliebt – er will, dass wir beide einen Test machen, und mir fällt plötzlich ein: Einmal war ich recht lange mit einem Jungen zusammen, und wir haben die Kondome weggelassen, als ich anfing, die Pille zu nehmen – ohne AIDS-Test. Und wenn er nun doch…? Also ein Test. Zum Hausarzt will ich nicht, das wäre mir zu peinlich, außerdem habe ich Angst, dass einer irgendwie was davon erfährt. Also Gesundheitsamt. In Köln machen die das anonym. Vorher rufe ich an, die Nummer habe ich aus dem Internet. Eine Frau meldet sich und unterbricht mich sofort, meinen Namen will sie nicht wissen. Ich soll mir einen ausdenken. Ich nenne mich Eva und vereinbare einen Termin zum AIDS-Test.

Keiner schaut mich an

Als Eva sitze ich zwei Tage später auf einem harten Plastikstuhl im ersten Stock des Gesundheitsamtes. Vor mir sind noch zwei andere dran, wir vermeiden es, uns anzuschauen – als wüssten wir etwas Intimes voneinander. Ich fühle mich fast ein bisschen überlegen, weil ich denke, dass die anderen bestimmt mehr Grund haben, hier zu sein als ich. Warum zieht sich dann aber mein Magen so sehr zusammen?

Habe ich Mist gebaut?

Als ich dem Arzt gegenüber sitze, bin ich wahnsinnig nervös, obwohl ich weiß, dass ich das Ergebnis erst in einer Woche bekomme. Er fragt, warum ich hier bin. Erst verstehe ich nicht, was er will, dann wird mir klar: Er will wissen, ob ich Mist gebaut habe. Ich sage: „Nur zur Sicherheit.“ Und obwohl es doch eigentlich stimmt, fühle ich mich wie eine Lügnerin. Er fragt, ob der letzte ungeschützte Sex denn mindestens sechs Wochen her sei. „Zwei Jahre“, sage ich und verstehe selbst nicht, warum ich nicht schon längst hier war. Er nimmt mir Blut ab.

Quelle: stocksy.com/Gillian Vann

Quelle: stocksy.com/Gillian Vann

Panik steigt in mir auf

Mittwoch, eine Woche später. Ich sitze wieder auf dem Gang, und ich kann die Füße nicht still halten. Ich wippe so schnell mit den Knien auf und ab, dass der Stuhl wackelt. Panik. Die ganze Woche über habe ich den Test verdrängt und mir gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich HIV habe, nun wirklich gering ist. Aber ein Fehler kann reichen. Ich könnte AIDS haben… Ich gehe in Gedanken durch, mit welchen Mädchen mein Ex-Freund etwas hatte, bevor er mit mir zusammen war. Was mache ich nur, wenn das Ergebnis positiv ist? Mein erster Gedanke: Niemandem etwas erzählen. Ich möchte nicht, dass meine Eltern sich Sorgen um mich machen. Außerdem soll es doch Medikamente geben, mit denen man ganz gut weiterleben kann. Es gelingt mir nicht, mich zu beruhigen.

Glück gehabt

Endlich sitze ich vor dem Arzt. Er gibt mir die Hand und sagt sofort „negativ“. In meiner Panik weiß ich nicht gleich, ob das gut oder schlecht ist. Dann lächelt er und erinnert mich daran, dass dieses Ergebnis keine Versicherung für die Zukunft sei. Ich solle nicht leichtsinnig werden. Keine Sorge. Einmal Angst reicht mir.

AIDS-Test – Die Facts

Mit den gängigen AIDS-Tests wird geprüft, ob sich Bestandteile von HIV (Antigen) im Blut befinden und ob der Körper Antikörper gegen das HI-Virus gebildet hat. Sie sind frühestens sechs Wochen nach der möglichen Ansteckung aussagekräftig. Diese Tests kann ein Hausarzt machen. Außerdem werden sie kostenlos und anonym von den Gesundheitsämtern angeboten. Die Alternative ist ein Schnelltest, den es auch in den AIDS-Beratungsstellen gibt. Er weist allerdings nur Antikörper nach, weswegen er erst zwölf Wochen nach dem ungeschützten Sexualkontakt Sinn macht. So lange braucht der Körper, um eventuelle Antikörper zu bilden.