Wer sehr dünn ist, hat bestimmt eine Essstörung – der Verdacht Magersucht steht schnell im Raum. Bei Bulimie ist das jedoch anders. Eltern und Freunde erkennen eine Bulimie meist erst spät, da die Ess-Brech-Sucht gar nicht so leicht zu erkennen ist. Betroffene haben meist eine normale, häufig schlanke und sportliche Figur und scheinen nach außen hin perfekt. Deswegen wird die Krankheit oft unterschätzt. Tatsächlich kann Bulimie schwere Folgen für den Körper und die Seele haben.

Was ist Bulimie?

Bulimie ist eine Erkrankung, bei der die Betroffenen in kurzer Zeit Unmengen an Nahrung in sich hineinstopfen und ihr Essverhalten zu diesem Zeitpunkt nicht kontrollieren können. Die Scham über die Fressattacken ist groß. Bulimiker haben dazu große Angst dick zu werden, sodass sie ihre Heißhungerattacken auf unterschiedliche Weise, z.B. durch Erbrechen ungeschehen machen wollen.

Das Krankheitsbild

  • Bulimie sieht man den wenigsten Leuten an; sie wirken oft sehr gepflegt, achten in der Öffentlichkeit auf ihre Ernährung und essen kontrolliert. Meistens sind sie sportlich und schlank.
  • Wenn sie alleine sind, werden sie von Fressattacken überfallen: Sie verschlingen in kurzer Zeit Massen an besonders kalorienreichen Lebensmitteln wie Schokolade, Pizza, etc.
  • Bulimiker haben große Angst davor, dick zu werden. Gerade am Anfang der Erkrankung werden Gegenmaßnahmen wie das Erbrechen als eine Art Diät angesehen, wenn man mal zu viel oder nicht die „richtigen“ Lebensmittel gegessen hat. Nach einiger Zeit werden aber auch Lebensmittel gegessen, die man sich selbst „verboten“ hat. Dann kommt es zu Essattacken, die mehrmals in der Woche auftreten können.
  • Nach solchen Anfällen suchen die Betroffenen Möglichkeiten, um die Kalorien schnell wieder loszuwerden. Dies kann durch Erbrechen, Einnehmen von Abführmitteln, Hungern oder extremen Sport passieren.
  • Bulimiker sind sehr auf ihren Körper und das Essen fixiert. Sie ekeln sich selbst vor ihren Heißhungerattacken, schämen sich und können ihren eigenen Körper nicht ausstehen.
  • Viele Betroffene bauen eine Art Doppelleben auf. Nach außen hin wirkt ihr Leben einwandfrei, ihr heimliches Leben ist jedoch unkontrolliert und eklig.
  • Bulimiker merken durch das extreme Essverhalten schnell, dass mit ihnen etwas nicht stimmt und haben das Gefühl „nicht normal“ zu sein.
  • Bei fortschreitender Krankheit kapseln sich Bulimiker häufig vom Freundeskreis und der Clique ab und vernachlässigen Beziehungen und Freundschaften, um sich den Heißhungerattacken hinzugeben. Oft werden Menschen mit Bulimie depressiv oder leiden an weiteren psychischen Erkrankungen.
  • Weitere gesundheitliche Folgen der Bulimie: Gerade das Erbrechen ist für den Körper heftig und zieht viele Probleme nach sich. Die Magensäure greift die Zähne an. Auch die Speiseröhre wird attackiert, was sich durch Heiserkeit oder Probleme beim Schlucken bemerkbar macht. Die Finger bekommen Schwielen. Bulimie kann langfristig sogar zu Herzproblemen führen. Falls die Betroffenen Abführmittel oder Medikamente zum Entwässern nehmen, bekommen sie oft Krankheiten am Darm oder an den Nieren.

Falls der Verdacht besteht, dass eine Person in eurem Freundes- oder Bekanntenkreis Bulimie haben könnte, dann solltet ihr beobachten, wie stark ihr Essverhalten schwankt, also ob sie z.B. immer gleich ins Bad rennt, wenn sie mehr gegessen hat. Weiterhin könnt ihr beobachten, ob sich die Person in den letzten Monaten stark verändert hat, sich zurückzieht oder ihre Interessen vernachlässigt oder ständig von ihrem Gewicht und ihrer Figur redet, obwohl sie eine normale Figur hat.

 

Quelle: istockphoto.com/andresr

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Im Zweifel ist es am besten, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Die Experten können die Situation besser einschätzen und haben viele Tipps. Hier gibt’s auch eine Online-Beratung, speziell zum Thema Essstörungen.