Junge Frau sitzt gestresst an Schreibtisch und hat Kopf auf Tischplatte gelegt

Du bist immer in Action? Dann genieß es – aber pass auf, dass der Stress nicht zu viel wird. Warum Daueranspannung deinem Körper schadet.

Der Wecker piept – und schon geht der Stress los. Ob nervige Eltern, eine Prüfung oder Streit mit der Freundin: Jeden Tag erlebst du Situationen, die dich innerlich in Aufruhr versetzen. Was passiert dabei in deinem Körper?

Dauerstress – Auge in Auge mit der Bestie

Die Antwort führt uns in die Vergangenheit: Unsere Vorfahren waren immer auf der Hut vor Säbelzahntigern und anderen Gefahren. Überlebt hat, wer schnell reagieren konnte – mit Kampf oder Flucht. So ist im Laufe der Evolution ein cleverer Mechanismus in unserem Körper entstanden: Bei einer Bedrohung gibt das Gehirn das Signal, die Hormone Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Über unsere Nervenbahnen versetzen diese beiden Botenstoffe den Körper blitzschnell in den Alarmmodus. Die Muskeln spannen sich an, das Herz pocht kräftiger, die Atmung geht schneller.

Das alles passiert voll automatisch. Wir können es nicht bewusst steuern. Und das ist auch gut so: Würden wir erst darüber nachdenken, wie wir uns verhalten sollten, wären wir leichte Beute.

Bei anhaltender Gefahr aktiviert das Gehirn einen zweiten Mechanismus. Über ihn wird zusätzlich das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet. Es sorgt dafür, dass wir uns energiegeladener fühlen, indem es Fett- und Zuckerreserven für Muskeln und Gehirn freisetzt. So sind wir optimal gewappnet für eine lange Zeit der körperlichen Anstrengung.

Stress ist nicht immer schlecht

Was Säbelzahntiger mit dir zu tun haben? Noch heute lauern im Alltag allerhand Situationen, die wir als bedrohlich empfinden (wie die Abiprüfung), die uns verärgern (die Eltern) oder die Anspannung erhöhen (der Wecker)  – und uns also stressen. Oft setzen wir uns zusätzlich selbst unter Druck, wenn wir uns zum Beispiel in Gedanken ausmalen, wie wir versagen oder wie die anderen schlecht über uns reden. Dabei springt der körpereigene Stressmechanismus verlässlich an, bei den meisten mehrfach pro Tag. Und das ist gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Kurzfristig macht uns Stress körperlich leistungsfähiger und motivierter. Er schärft die Sinne, unsere Aufmerksamkeit steigt und wir können leichter lernen.

Voraussetzung für diesen positiven Effekt ist, dass sich die Phasen der Anspannung mit Zeiten der Entspannung abwechseln. Laufen wir dagegen permanent auf Hochtouren, kann die Dauerbelastung krank machen. Dann nämlich haben Gehirn und Organe verlernt, zurück in den Ruhemodus zu schalten, auch wenn die Bedrohung längst nachgelassen hat.

Dauerstress mit ungesunden Folgen

Die Muskeln bleiben aktiv (und verspannen sich dadurch), der Blutdruck bleibt hoch, das Gehirn alarmiert. Oft benötigen wir die freigesetzten Zucker- und Fettreserven (Fettsäuren) gar nicht benötigen – schließlich müssen wir uns heute bei Stress nur selten körperlich (wie beim Kampf mit dem Säbelzahntiger), sondern eher geistig anstrengen. Fett & Zucker können sich aber negativ auf unsere Blutgefäße auswirken. Schon einmal was von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) gehört? Dabei verengen sich die Blutbahnen durch Ablagerungen (z.B. von Fett), das Blut kann nicht mehr frei fließen und den Körper mit wichtigen Stoffen versorgen. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Mit der Zeit leidet das Herz-Kreislauf-System unter dem Dauerstress. Die Abwehrkräfte, Gedächtnis und Konzentration lassen nach. Unsere Stimmung sinkt. Wir bekommen Kopf- oder Rückenschmerzen, Herpes oder sind ständig erkältet. Manche Menschen hören ein Rauschen im Ohr (Tinnitus), andere haben Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Auch die Lust auf Sex kann abnehmen. Letztlich steigt auch das Risiko für ernsthafte Erkrankungen wie Herzinfarkt und Diabetes mellitus.

Tipps gegen den Dauerstress

Jeder Körper reagiert anders auf Dauerstress. Wichtig ist, dass du seine Signale ernst nimmst. Und ihm zeigst, wie er zur Ruhe zurückfindet. Starte schon morgens stressfrei in den Schultag, mit einem gesunden Frühstück. Und gönne dir bewusst regelmäßig Pausen. Plane zum Beispiel einen ruhigen Abend in der Woche, an dem du einfach mal auf dem Sofa bleibst. Lerne im Abistress nicht zu viel auf einmal, sondern teile dir das Pensum so ein, dass der Kopf zwischendurch abschalten kann. Eine gute Vorbereitung lässt dich gelassener in die Prüfung gehen.

Regelmäßige körperliche Aktivitäten helfen Stress abzubauen und führen zur Ausschüttung von Glückshormonen. Idealerweise bewegst du dich dabei an der frischen Luft, fährst zum Beispiel eine Runde Fahrrad oder gehst spazieren – und tankst eine Extraportion Sauerstoff. Auch Achtsamkeitstechniken oder Meditation können helfen. Mit etwas Übung bringen sie Körper und Geist schnell in den Entspannungsmodus – bis zum nächsten Abenteuer!

Und nun?

Wer immer gestresst ist, sollte aufpassen – auf Dauer macht der Körper das nicht folgenlos mit. Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme oder Tinnitus sind typische Reaktionen des Körpers auf Dauerstress. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, lohnt es sich, immer wieder kleine Entspannungspausen einzulegen. Mehr Tipps dazu findet ihr auf unserem Instagram-Profil. Falls ihr noch Fragen zum Thema habt, könnt ihr uns dort auch eine DM schreiben.