Sechs bunte Kondome hängen an einer Wäscheleine.

Immer mehr junge Frauen möchten auf hormonelle Verhütungsmittel – allen voran die Pille – verzichten. Denn Hormone können starke Nebenwirkungen hervorrufen: Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen und Libidoverlust sind nur einige von ihnen. Doch wie sicher sind die unterschiedlichen hormonfreien Methoden? Sortiert nach dem Pearl-Index stellen wir dir hier 17 (!) Verhütungsmittel und -methoden ganz ohne Hormone vor.

Was ist der Pearl-Index?

Der Pearl-Index sagt aus, wie viele von 100 Frauen, die die jeweilige Methode 1 Jahr lang nutzen, durchschnittlich ungeplant schwanger werden. Ein Pearl-Index von 1 bedeutet also, dass 1 von 100 Frauen im Jahr trotz der Methode schwanger wird. 0,1 bedeutet, dass 1 von 1000 Frauen schwanger wird. Im Umkehrschluss: Je niedriger die Zahl desto sicherer die Verhütungsmethode.
Achtung: Keine dieser Methoden und Mittel – abgesehen von Kondom und Femidom – schützt dich vor Geschlechtskrankheiten oder sexuell übertragbaren Krankheiten.

Sterilisation beim Mann

Sicherheit: Pearl-Index 0,1 bis 0,15
Wirkungsdauer: dauerhaft
Wie funktioniert’s? Bei einer Vasektomie werden die Samenleiter durchtrennt. Zunächst wird der Hodensack örtlich betäubt, dann mit dem Skalpell zwei kleine Schnitte in die Haut gesetzt (wenige Millimeter). Alternativ kann die Haut auch nur punktiert werden. Instrumente werden hier durch einen kleinen Stich eingeführt. Bei beiden Methoden werden beide Samenleiter durchtrennt und verödet oder vernäht. Aber Vorsicht: Es kann noch einige Monate dauern, bis die Vasektomie Wirkung zeigt. Bis Tests den Erfolg der OP bestätigen, sollte also zusätzlich verhütet werden.
Mögliche Nebenwirkungen: Wie bei einer Operation üblich, ist mit mehrtätigen Schmerzen zu rechnen. Es besteht die Möglichkeit einer Nachblutung und Wundinfektion. Sehr selten, aber möglich, treten auch chronische Schmerzen auf. Langfristig besteht die Möglichkeit des Wiederverheilens der Samenleiter und somit einer erneuten Fruchtbarkeit. Das ist jedoch ebenfalls sehr selten.

Sterilisation bei der Frau

Sicherheit: Pearl-Index 0,5
Wirkungsdauer: dauerhaft
Wie funktioniert’s? Zunächst erfolgt eine Vollnarkose. Mit einem Skalpell wird ein kleiner Schnitt am Bauchnabel gesetzt. Das OP-Besteck besteht aus mehreren dünnen Röhren, die in den Bauchraum eingeführt werden – darunter auch eine Kamera, die die Sicht auf die Eileiter ermöglicht. Diese werden mithilfe von Hitze zugeschweißt. Der Zugang zu den Eileitern kann alternativ durch einen kleinen Schnitt an der Hinterwand der Scheide erfolgen. Der Eingriff wird in der Regel ambulant durchgeführt. Eine Sterilisation ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Kupferkette

Sicherheit: Pearl-Index 0,1 bis 0,5
Wirkungsdauer: bis zu 5 Jahre
Wie funktioniert’s? Das Einsetzen der Kupferkette geschieht während der Periode. Meist wird zunächst eine örtliche Betäubung durchgeführt oder ein betäubendes Zäpfchen eingeführt. Anschließend wird die Kupferkette von einem Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt und fixiert. Das passiert mit einem speziellen Applikator und der Eingriff dauert normalerweise nur wenige Minuten. Nach 5 Jahren oder auf Wunsch auch früher wird sie vom Frauenarzt entfernt.
Mögliche Nebenwirkungen: Leichte Schmerzen und Schmierblutungen in den ersten Tagen nach dem Eingriff sind die häufigsten Beschwerden. Auch kann die Periode einige Monate stärker sein. Eine Gebärmutterentzündung ist möglich, jedoch selten.

Ein junges Paar liegt lächelnd nebeneinander.

Kupferperlen-Ball

Sicherheit: Pearl-Index 0,3 bis 0,8
Wirkungsdauer: bis zu 5 Jahre
Wie funktioniert’s? Mit einem speziellen Röhrchen wird der Kupferperlen-Ball in die Gebärmutter eingeführt. Dort wird er anders als die Kupferkette jedoch nicht fixiert – ein Argument für viele Frauen. Der Ball ist sehr flexibel und macht jede Bewegung mit. Der richtige Sitz wird durch Ultraschall kontrolliert. Wer schmerzempfindlich ist, kann zuvor nach einer Betäubung fragen.
Mögliche Nebenwirkungen: Nach dem Einsetzen kann es zu leichten Schmerzen und Blutungen kommen. Selten kommt es zu Entzündungen der Gebärmutter oder Eileiter.

Kupferspirale und Goldspirale

Sicherheit: Pearl-Index 0,6 bis 0,8 / 0,9 bis 3
Wirkungsdauer: bis zu 5 Jahre
Wie funktioniert’s? Während der Periode wird die Kupfer- oder Goldspirale mithilfe eines dünnen Röhrchens in die Gebährmutter eingeführt. Wird es herausgezogen, öffnen sich die „Arme“ der Spirale und verhaken sich. Die Kupferionen, die beide Spiralen freigeben, hemmen die Beweglichkeit der Spermien und stören die Interaktion zwischen Spermium und Eizelle. Eine Befruchtung wird verhindert, da kein Spermium den Weg zur Eizelle findet.
Mögliche Nebenwirkungen: Verstärkte oder verlängerte Blutung und gegebenfalls schmerzhafte Monatsblutung. Das Infektionsrisiko kann leicht erhöht werden.

Temperaturmethode

Sicherheit: Pearl-Index 0,8 bis 3
Wirkungsdauer: über die Dauer der gewissenhaften Ausführung
Wie funktioniert’s? Täglich zur gleichen Zeit (am Morgen nach dem Aufwachen) muss die Temperatur mittels eines Thermometers in der Vagina gemessen werden. Nachdem man seinen Zyklus und den Temperaturverlauf einige Monate beobachtet hat, können die fruchtbaren Tage durch einen Temperaturanstieg bestimmt werden. Um die Methode einigermaßen zuverlässig anzuwenden, muss man sehr genau und zielstrebig seine Temperaturkurve verfolgen.
Nachteil: Störung durch Krankheiten und Fieber.

Portiokappe

Sicherheit: Pearl-Index 6
Wirkungsdauer: bei jeder Anwendung
Wie funktioniert’s? Die Portiokappe, die optisch an einen Fingerhut erinnert, wird vor dem Sex über den Muttermund gestülpt. Es entsteht ein Vakuum, die aus Silikon bestehende Kappe saugt sich also fest. Sie muss anschließend mindestens 6-8 Stunden dort bleiben, dann herausgenommen werden. Auch wenn die Portiokappe in mehreren Größen erhältlich ist, muss sie vom Frauenarzt angepasst werden beziehungsweise das Einführen geübt werden, denn für einen Schutz muss sie perfekt sitzen. Gleichzeitig sollte immer ein Spermizid/Verhütungsgel verwendet werden.

Kondom

Sicherheit: Pearl-Index 2 bis 15 / 2 bis 14
Wirkungsdauer: einmalig
Wie funktioniert’s? Das Kondom wird vor dem Geschlechtsverkehr über den Penis gezogen. Danach wird es abgezogen und entsorgt. Es darf nur ein Kondom verwendet werden, man sollte also nicht mehrere übereinander ziehen. Dadurch steigt das Risiko, dass es reißt.
Vorteil: Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Sympthothermale Methode (NFP)

Sicherheit: Pearl-Index 3 bis 25 / 0,25 bis 2,2
Wirkungsdauer: über die Dauer der gewissenhaften Ausführung
Wie funktioniert’s? Bei dieser Methode werden Temperatur und Schleim aus dem Gebährmutterhals über mehrere Monate genau beobachtet. In der App oder auch händisch wird alles detailliert notiert. So lässt sich später die fruchtbare Phase bestimmen. Um den Zyklus einigermaßen zu bestimmen, müssen alle Messungen sehr gewissenhaft durchgeführt werden. Die Temperatur muss täglich zum Beispiel zur identischen Zeit gemessen werden – auch am Wochenende.

Coitus interruptus

Sicherheit: Pearl-Index 4 bis 18
Wirkungsdauer: einmalig
Wie funktioniert’s? Beim Coitus interruptus oder umgangssprachlich „Rausziehen“ zieht der Mann den Penis aus der Vagina, kurz bevor es zum Samenerguss kommt. Spermien können jedoch schon vorher unbemerkt austreten, was die Methode sehr unzuverlässig macht. Darüber hinaus ist es auch nicht unbedingt leicht, wirklich rechtzeitig „herauszuziehen“.

Spermizide

Sicherheit: Pearl-Index 3 bis 21
Wirkungsdauer: einmalig
Wie funktioniert’s? Jede Form eines Spermizids (z. B. Spray, Gel, Creme) muss vor dem Sex tief eingeführt werden. Sie bilden eine leichte Barriere und können Spermien darüberhinaus verlangsamen oder abtöten. Am besten sollten diese mit einer Barrieremethode kombiniert werden.
Mögliche Nebenwirkungen: Bei chemischen Verhütungsmitteln kann es zu Reizungen der Schleimhaut kommen.

Diaphragma

Sicherheit: Pearl-Index 6 bis 16 / 1 bis 20
Wirkungsdauer: bei jeder Anwendung, nach spätestens 1 Jahr sollte das Diaphragma ausgetauscht werden
Wie funktioniert’s? Das Diaphragma wird nach Gebrauchsanweisung des Herstellers vor dem Sex eingeführt. Idealerweise wird es zusammen mit einem Spermizid angewendet. Nach dem Sex muss es mindestens 8 und maximal 24 Stunden an Ort und Stelle bleiben. Möchte man in dieser Zeit noch einmal Sex haben, sollte das Spermizid erneut benutzt werden.
Mögliche Nebenwirkungen: Die Nebenwirkungen werden meist durch das verwendete Spermizid verursacht, siehe oben.

Femidom

Sicherheit: Pearl-Index 5 bis 25
Wirkungsdauer: einmalig bei jeder Anwendung
Wie funktioniert’s? Das Femidom ist wie das Kondom zur einmaligen Anwendung geeignet. Es wird gemäß Gebrauchsanleitung in die Scheide eingeführt. Das Femidom hat ein offenes und ein geschlossenes Ende. Die offene Seite liegt an den Schamlippen, die geschlossene Richtung Gebärmutterhals. Nach dem Sex wird er mit den Fingern verschlossen, vorsichtig herausgezogen und dann entsorgt.
Vorteil: Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Verhütungszäpfchen / Vaginalzäpfchen

Sicherheit: Pearl-Index 6 bis 21 / 18 bis 29
Wirkungsdauer: einmalig
Wie funktioniert’s? Etwa 10 Minuten vor dem Sex führt man ein Zäpfchen tief in die Vagina ein. Dort löst es sich auf und wird zu einem Schaum, der einerseits Barriere für Spermien ist, und sie darüber hinaus verlangsamt und bestensfalls abtötet. Ein Zäpfchen wirkt maximal zwei Stunden und ist nur für den einmaligen Gebrauch geeignet.
Mögliche Nebenwirkungen: Es kann zu allergischen Reaktionen und gehäuften Scheideninfektionen kommen.

Kalendermethode

Sicherheit: Pearl-Index 9 bis 30
Wirkungsdauer: über die Dauer der gewissenhaften Ausführung
Wie funktioniert’s? Über mehrere Monate – je länger, desto besser – muss der Zyklus beobachtet und notiert werden. Auf dieser Basis kann nach einer Weile die fruchtbare Phase vorhergesagt werden. Unser Körper funktioniert allerdings nicht wie ein Uhrwerk. Ein Zyklus kann mal länger, mal kürzer ausfallen, zum Beispiel bei Stress und Krankheit.

Verhütungscomputer

Sicherheit: abhängig vom jeweiligen Computer
Wirkungsdauer: über die Dauer der gewissenhaften Ausführung
Wie funktioniert’s? Je nach Ausführung des Computers muss zum Beispiel die Temperatur sehr regelmäßig gemessen, der Schleim beobachtet werden. Manche Geräte messen den Hormongehalt, sie eignen sich allerdings nur eingeschränkt zur Verhütung, sondern helfen eher beim Kinderwunsch.

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