Familie mit Wunderkerzen in der Hand

Weihnachten soll eine schöne, besinnliche Zeit sein. Viele freuen sich schon Wochen vorher darauf. Doch gerade dann gibt es in Familien auch viel Konfliktpotenzial: Stress, enttäuschte Erwartungen, unangenehme Gespräche mit Verwandten, und aktuell natürlich Corona, können Gründe für Zoff sein. Wie man die gefährlichen Klippen umschifft und Streit an Weihnachten vermeidet.

Gemütlich und friedlich – so wünschen sich die allermeisten die Weihnachtszeit: lieb gewordene Rituale, schöne Geschenke und tiefe Gespräche. Doch die Realität sieht oft anders aus. Viele kennen das: Die Schenkerei, zu hohe Erwartungen und die plötzliche Nähe zu Menschen, die man sonst selten sieht, verursachen Stress. Nach der Jahresendralley sehnt sich jeder nach Ruhe und Geborgenheit, dann soll bitte auch alles perfekt sein. Genau das funktioniert aber oft nicht und manch Heiliger Abend endet in Streit und Türenknallen. Alle Jahre wieder. Dann sitzt man grollend im Zimmer und fragt sich, wie um alles in der Welt man sich auf diese Tage freuen konnte.

Streit an Weihnachten? Ganz normal!

Wahrscheinlicher als Friede, Freude, Weihnachtsbraten ist Streit, sagt die Erfahrung – und das bestätigen auch Umfragen. Auf die Frage, mit welchen Menschen man sich an diesen Tagen am meisten streitet, antworten die Befragten: mit dem Partner (36 Prozent), mit den Eltern (35 Prozent), den Geschwistern (18 Prozent) und den Kindern (16 Prozent). Nur 10 Prozent entfallen auf die weitere Verwandtschaft.

So vermeidet man den Streit an Weihnachten

Wie aber kommt man friedlich durch die Feiertage? Ein Patentrezept für alle gibt es zwar nicht. Aber Experten und Expertinnen haben durchaus Tipps, um Weihnachten harmonisch mit der Familie zu feiern. Stresscoach Jacob Drachenberg rät vor allem: Nicht nach dem Perfekten streben! Es muss nicht unbedingt das edle Luxusgeschenk und das perfekte Fünfgangmenü sein. Übertriebener Perfektionismus ist aus psychologischer Sicht eine starke Stressquelle. Fehler, Pannen und Missgeschicke aber sind menschlich. Es kann das Fest durchaus auflockern, wenn nicht alles perfekt und nach Plan läuft. Nachsicht mit den Fehlern, Schrullen und Eigenheiten – den eigenen und denen der anderen – kann die Situation entspannen.

Erwartungen kommunizieren

Zudem sollte man Erwartungen offen kommunizieren: Was wünsche ich mir? Wie stelle ich mir die Feiertage vor, was ist mir wichtig? Sich darüber klar zu werden und es in der Familie zu besprechen, kann Konfliktpotenzial schon im Vorfeld verringern. Man sollte sich selbst fragen, sich mit den anderen darüber austauschen und klar sagen: „Ich will das gerne so und so – ist das für euch in Ordnung?“ So kann man falschen Erwartungen vorbeugen.  Drachenberg rät zudem, auch mal „Nein“ zu sagen und nicht alles mitzumachen. Will man zum Beispiel partout nicht mit in den Gottesdienst, möchte man nicht unbedingt Fleisch essen, sollte man das klar kommunizieren. Und vor allem rechtzeitig, bevor sich Frust und Ärger aufbauen.

Heikle Gesprächsthemen vorher abstecken

Auch heikle Gesprächsthemen kann man vorher klären. Wer über die Trennung vom Ex oder Probleme in der Schule nicht reden möchte, sollte das deutlich machen. Oft reicht schon ein Hinweis per WhatsApp in die Familiengruppe. An Heiligabend selbst ist es dafür oft zu spät, dann kann eine unbedachte Nachfrage oder ungeschickte Bemerkung die Stimmung kippen lassen. Ein Beispiel: deine Pläne nach dem Abschluss. Wenn dich das stresst und seit dem letzten Treffen mit den Verwandten auch nichts Neues passiert ist, kann man vorab vereinbaren, das Thema auszuklammern. Hat jemand Gesprächsbedarf, kann man es später noch im kleinen Kreis besprechen.

Auch andere konfliktbeladene Themen lassen sich im Vorfeld klären, etwa eine Preisobergrenze für Geschenke, vielleicht sogar der völlige Verzicht darauf, falls sie oft Anlass für Missstimmung sind, oder auch die Frage, wer aus dem weiteren Familien- und Freundeskreis eingeladen wird.

Streit an Weihnachten! Und jetzt?

Und falls dann doch mal die Stimmung Richtung Keller rauscht? Brenzlige Situationen lassen sich mit einfachen Maßnahmen entschärfen: mit einem Spaziergang, einem Gesellschaftsspiel, musizieren, basteln oder anderen kreativen Aktionen. Alles was ablenkt, kann helfen, nur nicht festbeißen an einem Problem! Dazu rät auch der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger: „Aussteigen“, lautet sein Tipp. In brenzligen Situationen gelte die Grundregel: Besser den Mund halten. Auch an Weihnachten sollte man wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, an dem man besser in die Küche geht und abwäscht.

Was nach Krügers Erfahrung auch funktioniert: Wird ein Gespräch schwierig, einfach mit völlig unerwarteten Fragen dazwischen grätschen – ein bewährter Notausgang. So könne man etwa unvermittelt in die Runde fragen: „Was war die schönste Situation in eurem Leben? Was hat euch erfreut in diesem Jahr?“ Oder vorschlagen: „Wir sollten mal darüber diskutieren, was eigentlich Glück bedeutet.“ Das passe dann überhaupt nicht zum sich anbahnenden Konflikt, erstaune aber alle und unterbreche gerade deshalb die negative Spirale. Ein kreativer Stimmungsretter.

Alles zu viel?

Wir hoffen, dass du dich mit unseren Tipps auf ein entspanntes Weihnachtsfest freuen kannst! Falls dir doch an dem ein oder anderen Punkt alles zu viel wird, erst einmal tief durchatmen. Wuuusah! Zum Runterkommen haben wir hier auch noch ein paar Tipps aufgeschrieben. Bei Instagram gibt’s zusätzlich eine kleine Fantasiereise für 15 Minuten konzentrierte Entspannung to-Go!

 

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