Es ist erst ein paar Jahre her, da wusstest du genau, was du später einmal werden wolltest – Feuerwehrmann, Meeresbiologin, Dirigent oder Bundeskanzlerin. Und plötzlich hast du das Abitur bestanden, die Schule ist vorbei und du kannst dich vor lauter offenstehenden Türen nicht für eine Richtung entscheiden? Wir können dir mit unserer Übersicht hoffentlich einige Hinweise geben.

Studium

Das Abitur heißt auch „Allgemeine Hochschulreife“. Anders als mit Fachhochschulreife kannst du mit ihr nach deinem Schulabschluss ein Studium an jeder Hochschule beginnen – also auch an Universitäten. Falls du dich dazu entschließt, liegt die eigentliche Wahl aber immer noch vor dir: In Deutschland kannst du aus über 16.000 verschiedenen Studiengängen bzw. -angeboten wählen. Ein Studium dauert mehrere Jahre und du verdienst dabei kein Geld. Es gibt aber staatliche Unterstützungsmöglichkeiten oder Stipendien, falls eine Finanzierung durch Familie und Nebenjobs nicht ausreicht.

Ausbildung

Eine Ausbildung ist nicht nur etwas für Realschulabsolventen und Leute, die eher praktisch veranlagt sind. Im Gegenteil, viele Berufszweige verlangen oder bevorzugen inzwischen das Abitur für ihre Azubis, etwa für eine Lehre zur Bankkauffrau oder zum Buchhändler. Einige Sonderausbildungen speziell für Abiturienten gibt es auch, sie ähneln etwas dem Dualen Studium. Über 350 Ausbildungsberufe sind offiziell anerkannt, ob Handel, Dienstleistung, Handwerk oder Landwirtschaft. Eine Ausbildung dauert in der Regel zwei bis drei Jahre und findet nicht nur im jeweiligen Betrieb statt, sondern hat je nach Art der Lehre auch einen berufsschulischen Teil, der entweder als kompakter Block oder tageweise zu absolvieren ist. Als Azubi bekommst du schon ein kleines monatliches Gehalt. Hast du vor der Ausbildung das Abitur absolviert, gibt es oft die Möglichkeit, sie zu verkürzen.

Duales Studium

Das duale Studium ist eine spezielle Form des Studiums: Hier werden Ausbildung und Studium miteinander verbunden. Für ein duales Studium bewirbst du dich aber in der Regel nicht bei einer Universität, sondern bei einem Unternehmen. Zusätzlich zu der Arbeit im Betrieb, die dir Praxiserfahrung vermittelt, nimmst du nämlich an Hochschulkursen teil. Meistens wechseln sich Praxis und Theorie alle drei Monate ab. Die Zulassungsvoraussetzungen bestimmen Unternehmen und Universität gleichermaßen. Ein großer Vorteil, dass du währenddessen bereits Geld verdienst und dein Arbeitgeber dich auch darüber hinaus finanziell stützt – in welcher Höhe hängt jedoch vom Unternehmen ab. Ein duales Studium ist je nach Richtung auch ohne Fachabitur möglich, sofern du eine Ausbildung und mindestens drei anschließende Jahre Berufserfahrung vorweisen kannst.

Freiwilliges Soziales Jahr

Kein Bildungsweg ist eine Sackgasse, du kannst dich immer noch – mehr oder weniger leicht – umentscheiden. Wenn du dir nach dem Abi aber absolut noch nicht im Klaren darüber bist, wohin die Reise beruflich gehen soll, dann kann ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Entscheidung helfen. Das FSJ ist ein Freiwilligendienst in sozialen Bereichen, er kommt für junge Erwachsene bis 27 Jahre in Frage, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Die möglichen Einsatzbereiche kannst du aus einer großen Bandbreite von Pflegeberufen über Sport und Schule bis Denkmalpflege wählen, sogar in das Arbeitsleben im Politik- oder Kulturbereich kannst du mit einem FSJ hereinschnuppern. Ein Freiwilliges Soziales Jahr wird mit einem sogenannten Taschengeld vergütet, das je nach Träger variieren kann – mit Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkostenerstattung kann hier aber ein ordentlicher Verdienst zusammenkommen.

Ins Ausland

Einige FSJ-Stellen werden sogar außerhalb Deutschlands angeboten. Falls dir der soziale Bereich aber nicht zusagt, dann gibt es noch andere Möglichkeiten, nach dem Abitur eine längere Zeit in fremden Ländern zu verbringen, obwohl das Geld nicht für eine ausgedehnte Weltreise reicht.
„Work & Travel“-Programme bestehen aus, wie der Name schon sagt, einer Verbindung von Arbeiten und Urlaub. Je nach Anbieter reist man üblicherweise von Ort zu Ort und führt die unterschiedlichsten Tätigkeiten aus. Schafe hüten in Neuseeland, Portier in einem Hotel an der chilenischen Pazifikküste, Ernsthelfer in den USA – informiere dich auf speziellen Seiten im Internet darüber, was zu dir passen könnte. Work & Travel kannst du auch mit einem Freund oder einer Freundin machen. Das große Geld werdet ihr nicht verdienen, eure Unkosten sind aber in der Regel gedeckt. Und dafür kommt ihr ganz schön rum!
Wenn du einen bestimmten Ort intensiver kennenlernen möchtest, vielleicht um deine Sprachkenntnisse in Französisch oder Englisch zu verbessern, dann ist ein Auslandsaufenthalt als Au-pair womöglich etwas für dich. Oft wohnt man hier bei einer Familie und übernimmt dauerhaft Haushaltsaufgaben wie das Hüten der Kinder, Putzen oder Einkaufen. Übrigens: Die Zeiten, in denen Au-pair „nur was für Mädchen“ war, sind vorbei. Diese Option steht jedem offen. Neben freier Kost und Logis erhältst du ein Taschengeld. Auch für Au-pair-Stellen gibt es eigens zahlreiche Vermittlerangebote, achte auf deren Seriosität.
Und zum Abschluss – auch auf die Gefahr hin, dass wir onkelhaft klingen: Für was immer du dich nach dem Abitur entscheidest, besprich es mit deinen Eltern. Selbst wenn ihr verschiedene Vorstellungen von eurer Zukunft habt, sie wollen dir nichts Böses.

Hast du schon Pläne für deine Zeit nach der Schule, vielleicht sogar welche, die wir hier nicht aufgezählt haben? So oder so, wir würden gerne per DM auf Instagram davon erfahren. Es könnte anderen bei der Entscheidung helfen!