Eine junge Frau sitzt mit einem Laptop auf dem Boden. Auf der Wand hinter ihr illustrierte Symbole für Digitales. © Peshkova / Adobe Stock

Es ist erst ein paar Jahre her, da wusstest du genau, was du später einmal werden wolltest – Feuerwehrmann, Meeresbiologin, Dirigent oder Bundeskanzlerin. Und plötzlich hast du das Abitur bestanden, die Schule ist vorbei und du kannst dich vor lauter offenstehenden Türen nicht entscheiden? Wir geben dir ein paar Inspirationen und einen guten Überblick an die Hand.

Später werde ich mal…

Tja, was eigentlich? Du hast noch keine Ahnung, wo die berufliche Reise hingehen soll? Dann kann es guttun, mal was ganz anderes zu machen. Nicht nichts. Sondern etwas, das dich weiterbringt, aber auf andere Art. Eine Reise ins Ausland. Oder Nachhaltigkeits-Experte sein für ein Jahr. Eine Ausbildung anfangen, die deine Talente fördert. Egal, für was du dich entscheidest – es sollte nur gut überlegt sein. Hol dir dafür viele Infos ein, quatsche mit Freund:innen und Familie oder gehe mal zu einem Berufsberater. All das wird dich ein kleines Stück weiterbringen. Vielleicht auch unser Artikel.

Studium nach dem Abi

Das Abitur heißt auch „Allgemeine Hochschulreife“. Damit kannst du ein Studium an jeder Hochschule beginnen (hier geht’s zur großen Ersti-Checkliste) – an Fachhochschulen, Universitäten, Fernunis, Dualen Hochschulen oder Berufsakademien. Falls du dich dazu entschließt, liegt die Wahl aber immer noch vor dir: In Deutschland kannst du aus über 16.000 verschiedenen Studiengängen bzw. -angeboten wählen. Wenn du interessante Unis und Studiengänge gefunden hast, erkundige dich bei der jeweiligen Studienberatung. Sie können dir viele wichtige Infos geben, die deine Entscheidung erleichtern werden. Wie lange das Studium dauert, hängt vom Abschluss und dem Studiengang ab. Das Uni-Jahr ist in der Regel aufgeteilt in das Sommer- und Wintersemester. Jedes davon dauert sechs Monate.

Der Bachelor-Abschluss umfasst üblicherweise sechs bis acht Semester. An Fachhochschulen sind es meistens acht Semester. Danach kannst du den Master mit zwei bis vier Semestern dranhängen. Das ist der nächsthöhere Abschluss. Er qualifiziert dich, einen Doktortitel (Promotion) machen zu können.

Jedes Studium hat eine so genannte Regelstudienzeit. Sie gibt die Anzahl der Semester vor, in der du idealerweise dein Vollzeitstudium abschließen solltest. Klar, du kannst auch schneller studieren. Aber übertreib nicht. Leben sollst du ja auch noch. Wenn du dagegen mehr Zeit brauchst, ist das halb so wild. Nur 21,1 Prozent der Bachelor-Absolventen haben 2020 die Regelstudienzeit geschafft. Das liegt oft daran, dass viele ins Ausland Ausland gehen, Nebenjobs haben oder Praktika machen während des Studiums.

Ausbildung nach dem Abi

Für viele Berufszweige ist heute das Abitur Voraussetzung. Und es erhöht deine Chancen, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Schau mal: Hier haben wir dir die sechs wichtigsten Schritte zur Ausbildung aufgezeichnet.

Einige Sonderausbildungen speziell für Abiturient:innen gibt es auch, sie ähneln etwas dem Dualen Studium. Oft sind sie noch praxisorientierter.

Über 350 Ausbildungsberufe sind offiziell anerkannt, ob Handel, Dienstleistung, Handwerk oder Landwirtschaft. Eine Ausbildung dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Wenn du Abi hast, kannst du eine dreijährige Ausbildung easy auf zweieinhalb Jahre oder sogar auf zwei Jahre verkürzen. Das musst du mit dem Betrieb abklären.

Die Berufsausbildung in Deutschland ist dual angelegt. Das heißt: Ein Teil findet in der Firma statt, ein Teil in der Berufsschule. Der schulische Part kann, je nach Ausbildung, am Block über mehrere Monate laufen oder regelmäßig in der Woche an festen Tagen.

Als Azubi bekommst du schon ein kleines monatliches Gehalt, das sich pro Lehrjahr automatisch erhöht. Der Verdienst hängt sehr von Branche und Betrieb ab. Im Jahr 2020 sind Zimmerer die Bestverdiener im Ausbildungsbusiness mit durchschnittlich 1251 Euro im Monat. In vielen handwerklichen Berufen werden gerade übrigens dringend Azubis gesucht und gebraucht!

Augen auf bei der Berufswahl?!

Du weißt noch nicht, was du werden willst? Dann check mal unser Angebot vom AOK JobKompass aus: Dein AOK JobKompass gibt dir Orientierung und jede Menge Informationen rund um deine Berufswahl und Bewerbung. Außerdem kannst du mit dem Jobtest checken, welche Berufe gut zu dir passen. Los geht’s.

 

Duales Studium nach dem Abi

Das duale Studium ist eine spezielle Form des Studiums: Hier werden Ausbildung und Studium miteinander verbunden. Für ein duales Studium bewirbst du dich aber in der Regel nicht bei einer Universität, sondern bei einem Unternehmen. Zusätzlich zu der praktischen Arbeit im Betrieb nimmst du an Hochschulkursen teil. Meistens wechseln sich Praxis und Theorie alle drei Monate ab.

Ein großer Vorteil: Du verdienst schon Geld und dein Arbeitgeber unterstützt dich darüber hinaus noch finanziell – in welcher Höhe hängt vom Unternehmen ab. Ein duales Studium ist je nach Richtung auch ohne Fachabi möglich, wenn du eine Ausbildung plus mindestens drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kannst.

Eine Studentin sitzt im Gras und lehnt sich nachdenklich an einen Baum. Sie befindet sich auf einem Universitätscampus und hält Block und Stift.

© Motortion / Adobe Stock

Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abi

Das Freiwillige Soziale Jahr (kurz: FSJ) ist ein Freiwilligendienst in sozialen Bereichen. Er kommt für junge Erwachsene bis 27 Jahre in Frage, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Die möglichen Einsatzbereiche kannst du aus einer großen Bandbreite von Pflegeberufen über Sport und Schule bis Denkmalpflege wählen. Sogar ins Arbeitsleben im Politik- oder Kulturbereich kannst du mit einem FSJ hineinschnuppern. Ein Freiwilliges Soziales Jahr wird mit einem sogenannten Taschengeld vergütet, das je nach Träger variiert – mit Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkostenerstattung kann hier ein ordentlicher Verdienst zusammenkommen.

Bundesfreiwilligendienst (BFD) nach dem Abi

Den Bundesfreiwilligendienst kannst du in jedem Alter ableisten. Voraussetzung ist nur der Abschluss der Schulpflicht. Du engagierst dich im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich, im Sport, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Die Auswahl der Einsatzgebiete ist hier vielfältiger als zum Beispiel beim FSJ. Zu den Arbeitsplätzen gehören Rettungsdienste, Forstämter, Museen oder Sportvereine. Ein BFD kann zwischen 6 und 24 Monate dauern – meistens wird er 12 Monate am Stück geleistet. In der Regel arbeitest du Vollzeit. Du kannst auch auf weniger Stunden reduzieren. Das Taschengeld (Stand 2022) beträgt maximal 423 €.

Ökologischer Bundesfreiwilligendienst (ÖBFD) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) nach dem Abi

Der ÖBFD ist das „grüne“ Pendant zum Bundesfreiwilligendienst (BFD). Dementsprechend anders sind auch die Einsatzfelder: Der Fokus liegt im Natur- und Umweltschutz, der Ökologie und/ oder der nachhaltigen Entwicklung. Nach Erfüllung der Schulpflicht kann sich jeder bewerben – egal welches Alter. Bist du noch unter 18, müssen deine Eltern zustimmen. Die einzige Voraussetzung ist ein Interesse an „grünen Themen“. Ein ÖBFD dauert mindestens sechs und höchstens 18 Monate. Wenn du unter 27 Jahre alt bist, ist Vollzeit arbeiten Pflicht. Über 27-jährige können auch in Teilzeit gehen. Auch hier gilt die Taschengeld-Regelung, die je nach Einrichtung variiert. Die Höchstgrenze liegt bei 423 € (Stand: 2022). Verpflegung, Unterkunft oder andere Leistungen musst du mit der jeweiligen Einsatzstelle abstimmen.

Für das FÖJ gelten die Voraussetzungen wie beim FSJ. Du musst unter 27 sein. Die Höhe des Taschengeldes richtet sich nach dem Träger. Ob dir eine Unterkunft gestellt wird oder du andere Vergünstigungen bekommst, hängt ebenfalls von der Einrichtung ab. Eingesetzt wirst du in gemeinnützigen Einrichtungen im Naturschutz, Umweltschutz, der Umweltbildung oder Umweltforschung.

Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr (FWJ) nach dem Abi

Mit Forschern in Laboren tüfteln, Zugang zu Orten haben, die sonst niemand betreten darf und Wissenschaft live erleben – all das kann dir das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr bieten. Vom Prinzip ist es aufgebaut wie jeder andere Bundesfreiwilligendienst. Universitäten wie die Medizinische Hochschule Hannover, die Uni Oldenburg, Uni Aachen und weitere Hochschulen haben FWJ-Stellen zu vergeben. Die Forschungsprojekte, an denen FWJler mitwirken dürfen, umfassen die Bereiche Medizin, Chemie, Physik oder auch Ingenieurswissenschaften.

Auslandsjahr nach dem Abi

Einige FSJ- und FÖJ-Stellen werden sogar außerhalb Deutschlands angeboten. Falls dir der soziale oder der Umweltschutz-Bereich nicht zusagt, gibt es noch andere Möglichkeiten, nach dem Abitur eine längere Zeit in fremden Ländern zu verbringen.

Du möchtest woanders hinreisen, auch außerhalb von Europa, abseits der Touri-Pfade? Und dich dabei selbst finanzieren? Dann scheint „Work and Travel“ perfekt für dich zu sein. Du jobbst und reist. Es gibt Organisationen, die alles für dich planen, auch vor Ort. Du kannst aber auch alles auf eigene Faust organisieren. Die Kriterien für Work & Travel: ein Mindestalter von 18 und Höchstalter von 25, 30, manchmal 35 Jahren, je nach Ziel. Mit vielen Ländern hat Deutschland ein „Working Holiday Programm” vereinbart. Es ermöglicht dir einen Aufenthalt bis zu einem Jahr und erlaubt, vor Ort bezahlte Jobs anzunehmen. Work & Travel kannst du auch mit einem Freund oder einer Freundin machen. Das große Geld werdet ihr nicht verdienen, eure Unkosten sind aber in der Regel gedeckt. Und dafür kommt ihr ganz schön rum!

Wichtig: Informiere dich immer über deine Organisation oder das Auswärtige Amt zu den aktuellen (Corona-)Einreisebestimmungen des Landes, das dein Ziel sein soll. International zu reisen ist weiterhin riskant, besonders dann, wenn du nicht geimpft bist. Schließe eine gute Auslandreiseversicherung ab. Sie sollte keine Ausschlussklausel für den Pandemiefall haben.

Wenn du vorhast, nach China, Japan oder Korea zu fliegen, musst du 2022 mehr Zeit für den Flug einplanen. Durch den Krieg in der Ukraine müssen alle europäischen Fluglinien Russland südlich umfliegen. Sie brauchen deshalb länger.

Au-pair

Wenn du einen bestimmten Ort intensiver kennenlernen möchtest, auch um deine Sprachkenntnisse zu verbessern, dann könnte ein Auslandsaufenthalt als Au-pair etwas für dich sein. Oft wohnt man hier bei einer Familie und übernimmt dauerhaft Haushaltsaufgaben wie das Hüten der Kinder, Putzen oder Einkaufen. Übrigens: Die Zeiten, in denen Au-pair „nur was für Mädchen“ war, sind vorbei. Diese Option steht jedem offen. Neben freier Kost und Logis erhältst du ein Taschengeld. Auch für Au-pair-Stellen gibt es zahlreiche Vermittlerangebote. Achte auf deren Seriosität.

Auslandspraktika

Arbeiten im Ausland – das ist raus aus der Komfortzone und rein in die Herausforderung! Die Vorteile sind mega: Du kannst erste Arbeitserfahrung sammeln, eine neue Kultur kennenlernen und gleichzeitig deine Sprachkenntnisse aufpolieren. Dazu macht es sich wirklich gut in deinem Lebenslauf. Vor allem, wenn das Praktikum sechs Monate oder länger andauert. Die Voraussetzung: Du musst volljährig sein. Plane unbedingt rechtzeitig. Viele Firmen erwarten eine Bewerbung bis zu einem halben Jahr vor Praktikumsbeginn.

Schulabschluss – und jetzt?!

Puh, ganz schön viele Möglichkeiten tun sich da auf. Hast du was gelesen, bei dem dein Herz sofort einen kleinen Sprung gemacht hat? Es kann sich lohnen, sich näher mit dieser Idee zu befassen. Oft scheitern Zukunftspläne an unrealistischen Vorstellungen zur Finanzierung, zu Inhalten, zum Aufwand usw. Auch, wenn das jetzt boomermäßig klingt: Aber sprich mit deinen Eltern. Sie können dir sicher zur Seite stehen. Und vieles könnt ihr nur zusammen klären. Wirst du ausziehen? Wie viel Geld benötigst du monatlich? Bleibst du in Deutschland? Sei geduldig mit ihnen. Für sie ist es vielleicht auch nicht leicht, ad hoc solche großen Veränderungen zuzulassen.

Hast du schon Pläne für deine Zeit nach dem Abi, vielleicht sogar welche, die wir hier nicht aufgezählt haben? So oder so, wir würden gerne per DM auf Instagram davon erfahren. Es könnte anderen bei der Entscheidung helfen!